Die Tür als Symbol für Ankunft

Ahmad Barakizadeh in seinem Atelier. Foto: Hareth Almukdad

Interview mit dem iranischen Bildhauer und Karikaturisten Ahmad Barakizadeh

Wir haben auch eine Tür! Unsere Zeitung heißt KulturTür – wie viel Kultur steckt in Ihrer Tür?

Wir haben eine gemeinsame Kultur in Nordafrika oder in Mittelasien oder auch anderswo … und die Elemente in meiner Tür finden sich in verschiedenen Kulturen wieder. Aber ich habe auch Elemente aus der europäischen Kultur benutzt, wie zum Beispiel die Türangel. Wir haben ein paar Symbole, die es auf der ganzen Welt gibt und überall dieselbe Bedeutung haben. Zum Beispiel diese Messer oder den Weinkelch gibt es in verschiedenen Kulturen und sie haben die gleiche Bedeutung.

Das Messer symbolisiert Schmerzen. Der Weinkelch steht für Gastfreundschaft: wenn ein Gast kommt, muss man ihm zuerst etwas zu trinken geben. Das Gesicht ist ein Symbol für den Mensch; den Mensch und seine Welt. Das Schloss stellt ein Problem dar, das man knacken muss.

Warum aber ist dies alles auf einer Tür?

Die Idee entstand bei einem Kunstprojekt 2013 zum Thema Ankunft im Wohnheim Marienfelder Allee. In diesem Projekt waren zwölf Künstler aus verschiedenen Ländern, die in verschiedenen Städten in Deutschland leben. Für mich ist die Tür das Symbol für die Ankunft. Wenn ich irgendwo hin gehen möchte, muss ich durch eine Tür gehen.
Wir sehen diese Tür ist eine Mauer. Eine Tür ohne Mauer hat keinen Sinn. Es muss eine Mauer da sein, damit wir die Tür brauchen. Eine Mauer ohne Tür hat ja auch keinen Sinn. Deswegen habe ich diese Tür mit Mauer gemacht und dann kommen die Elemente der Tür auf diese Mauer. Die verschiedenen Elemente haben positive und negative Formen. Die negative Form steht für die Vergangenheit und die positive Form für die Zukunft.
Für mich war es eine Zeit, in der ich die Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft erlebte.

Sie machen als Iraner in Deutschland Kunst. Sprechen beide Länder in der Kunst eine ähnliche Sprache? Es sind verschiedene Anschauungen.

Es sind verschiedene Philosophien und daher ist auch die Kunst verschieden.

Wie beschreiben Sie Unterschiede in der Ästhetik?

Es gibt einen Unterschied zwischen iranischer und deutscher Kunst. Es ist aber nicht der Unterschied zwischen Iran und Deutschland, sondern der Unterschied zwischen Idealisten und Materialisten. Jemand kann sowohl im Iran Idealist oder Materialist sein… als auch hier.
Wenn ich gesagt habe, es gibt einen Unterschied zwischen der Kunst im Iran und in Deutschland ist es etwas ganz anderes, als wenn ich von den Unterschieden in der Ästhetik spreche. Wir können die Grenzen nicht nach Ländern oder Nationen ziehen. Es kommt darauf an welche Philosophie wir haben.
Es ist eine ganz andere Sache über den Unterschied zwischen deutscher Kunst und iranischer Kunst zu sprechen. Aber bei der Ästhetik kommt es auf das Denken an, was wir sehen und welche Philosophie wir haben. So kann jemand in Indien, im Iran oder in Deutschland Expressionist sein.

Wo kann man Kunstwerke von Ihnen sehen?

Wir haben verschiedene Ausstellungen gemacht, z.B. im Wohnheim Marienfelde, im Rathaus Schöneberg und beim Senat. Ich habe eine Skulptur für die Hochschule Technik und Wirtschaft HTW gemacht und für das Che Guevara Museum in Santa Clara auf Kuba. In verschiedenen Zeitungen z.B. für die Keyhan London zeichne ich jede Woche Karikaturen und auch für den Tagesspiegel habe ich schon Karikaturen gemacht. Und auch auf meiner Website.

Das Interview wurde von Emily Rohani und Rita Zobel auf Deutsch geführt.

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