Neues Leben

In der Neuköllner Sonnenallee haben viele Läden und Cafes einen orientalischen Charakter. Mit seiner Lebendigkeit geben sie Adnan und seiner Familie ein vertrautes Gefühl. Foto: Michael Pieracci

Es vergingen Tage, bis wir mit dem Flugzeug in die Bundesrepublik Deutschland flogen. Drei Jahre vorher war ich vor dem Terror Assads mit meinen vier Kindern von Damaskus nach Irbid in Jordanien gekommen. Ich war ohne Arbeit und ohne eine Einnahmequelle für unseren Lebensunterhalt. Ich hatte keine Möglichkeit meine Kinder zu ernähren, ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen, Medikamente zu kaufen, obwohl es in den Medien ganz anders dargestellt wird.

Was mit uns und unserem Land Syrien geschah, Mord, Zerstörung usw., geschah eigentlich, weil wir das Morden abgelehnt haben. Die Erinnerungen an die Vergangenheit und die Zukunft meiner Kinder wurden von dem Regime des Mordens vernichtet. Ich wartete drei Jahre lang in Jordanien, aber es änderte sich nichts. Ich fühlte mich fremd, hatte keine Freunde und Verwandten um mich, kein Geld und fühlte mich in einer Sackgasse.

Wir sind aus Jordanien in der Nacht abgeflogen und morgens um 10 Uhr ist unser Flugzeug auf dem Flughafen Tegel gelandet. Ein Mitarbeiter der Organisation Reporter ohne Grenzen holte uns ab. Wir fuhren mit dem Auto unserem Aufenthaltsort in Süd Berlin entgegen. Das war Anfang August und der Blick aus dem Auto auf dem Weg dahin war toll. Die zauberhafte Natur, die wunderschönen Flüsse, die schicken, großen Häuser… Wie groß war die Freude meiner Kinder!
Dann sind wir an unserem Aufenthaltsort angekommen. Der war nicht so, wie meine Kinder es sich vorgestellt hatten. Das Heim, in dem wir unterkamen, war die frühere Anlaufstelle für die Flüchtlinge aus Ost-Berlin im Jahr 1960. Wir haben dann viele Formulare ausgefüllt und unterschrieben. An die deutsche Bürokratie, die alles genau erfassen möchte, sollten wir uns noch gewöhnen.

Es war Sommer, als Adnan Al Mekdad und seine Familie in Berlin landeten. Begeistert bestaunten die Kinder die beeindruckende Architektur und üppige Natur, die sich ihnen vor dem Autofenster zeigte. Foto: Juliane Metz

An unseren ersten Tagen in Deutschland waren wir sehr niedergeschlagen und fühlten uns fremd. Wir waren in einem anderen neuen Land, konnten die Sprache nicht, hatten keine Handys, keine Internetverbindung. Beim Einkaufen hatten wir am Anfang Schwierigkeiten mit den Gemüsenamen, der Währung etc., aber Schritt für Schritt haben wir uns zu Recht gefunden.

Das neue Leben in Berlin

Wir wohnen immer noch im Süden Berlins. An das Leben in dieser großen Stadt, die eine der schönsten in Europa ist, haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Wir machten uns vertraut mit Bussen, U- und S-Bahnen. Wir lernten verschiedene Lebensformen kennen und haben manchmal schon das Gefühl, dazu zu gehören.

Menschen, die sich in einem fremden Land befinden, suchen immer nach Läden, Restaurants und Supermärkten, um Sachen zu kaufen, die aus ihrem Heimatland kommen. Solche Läden sind im Berliner Süden rar. Nach langem Suchen und Fragen haben wir in der Neuköllner Sonnenallee viele Läden gefunden, in denen man arabisches Essen und manche arabischen Lebensmittel kaufen kann. Dieser Stadtteil ähnelt sehr den Städten meines Heimatlandes. Viele Läden sind bis in die Nacht geöffnet und viele Cafés haben einen orientalischen Charakter. Ich mag diese Lebendigkeit und kulturelle Mischung. Sie gibt mir ein Gefühl der Vertrautheit und Familiarität.

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