Hoffnungen und Wünsche für das neue Jahr

KARIKATUR „NEUSTART“ VON AHMAD BARAKIZADEH
Karikatur „NEUSTART“ on Ahmad Barakizadeh.

In Deutschland startet das neue Jahr überall mit viel Feuerwerk und Geböller. Und nach dem großen Knall? Was wird sich ändern in 2017? In der Silvesternacht werden neue Pläne und gute Vorsätze geschmiedet und in der Katerstimmung am Neujahrstag folgt die Ernüchterung.

Für die meisten Flüchtlinge war das Jahr 2016 voller Schwierigkeiten und Probleme. Ein Neuanfang ist immer schwer. Wie aber beginnt man ein neues Leben in einem Land wie Deutschland? Vieles im Leben kann sich schnell verändern: Gewohnheiten, Sicherheit, Wohnung, Arbeit, Familie und Freundschaften. Wie darf man in solch schwieriger Situation Träume haben? Natürlich wünscht sich jeder ein gutes und sicheres Leben. Aber wie kann man neu träumen, wenn man so weit weg ist von seinen bisherigen Lebenszielen, unfreiwillig so weit weg ist von seinem Heimatland? Alle Flüchtlinge haben erwartet, dass sie in Deutschland ein besseres Leben vorfinden werden als in Syrien, aber in der Wirklichkeit angekommen haben sie weniger vorgefunden, als sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren. Wie schwierig ist es, als Geflüchteter in Deutschland eine anständige Arbeit zu finden, um sein eigenes Geld zu verdienen? Was wünschen sich die Menschen für das Jahr 2017? KulturTür hat eine Umfrage im Steglitzer Übergangswohnheim in der Thielallee dazu gemacht. Befragt wurden auch Angestellte und Nachbarn.

Eine Redewendung besagt: „Neues Jahr – neues Glück“. Was sind Ihre Wünsche fürs neue Jahr? Was haben Sie für neue Ziele oder Träume?

YOUSEF HUSSEIN

YOUSEF HUSSEIN ist aus Mossul/Irak nach Berlin geflüchtet. „Ich wünsche mir im Jahr 2017 dass der Daesh (gemeint ist der IS, Anmerkung der Redaktion) aus meinem Land verschwindet – das ist mein Wunsch… Und mein zweiter Wunsch ist, dass ich keine Bomber mehr sehen möchte, nicht in meinem Land und schon gar nicht in meiner Stadt Mossul.“

 

MUSTAPHA JAITEH

MUSTAPHA JAITEH aus Gambia, ist über Spanien, Frankreich, Italien und die Schweiz nach Berlin geflüchtet. „For the new year? I need money. For enjoying the new year, you need money. You know; you’re going to town for discothek and you’re happy. But when you don’t have money, you cannot be happy – this is a difficult life. Everybody needs money for happiness.“

 

FUAD ALIOYORI

FUAD ALIOYORI ist aus dem Irak geflüchtet und wohnt in der Gemeinschaftsunterkunft in der Thielallee. „Ich wünsche mir Sicherheit für mein Land und Frieden für alle Länder.“

 

 

 

INES SCHRÖDER

INES SCHRÖDER studiert an der FU Rechtswissenschaften. „Ich wünsche mir, dass nicht alles Unglück von mir abgewendet wird, aber dass man mir die Kraft gibt, damit umzugehen. Das haben Jurastudenten so an sich – so ganz philosophische Gedanken. Aber das ist mein Wunsch. Mehr wünsche ich mir nicht.“

 

 

KAWA IBRAHIM

KAWA IBRAHIM ist als Kurde vor 16 Jahren nach Deutschland gekommen und arbeitet nun im Küchenbereich in der Gemeinschaftsunterkunft in der Thielallee. „Meine Wünsche sind, dass die Welt sich verbessert und dass es keine Kriege mehr gibt. Die letzten zwei bis drei Jahre waren richtig schlimm für die Menschheit. Viele Menschen sind vor Kriegen geflüchtet, viele sind gestorben. Ich wünsche mir einfach eine bessere Welt. Und für die Flüchtlinge, die in Deutschland leben, wünsche ich mir, dass sie bessere Möglichkeiten bekommen, Wohnungen zu finden. Auch wünsche ich mir, dass sie versuchen, sich zu integrieren, um in dieser Gesellschaft einen Platz zu haben. Ziele wären, dass alle bessere Chancen in Bezug auf Arbeit, auf Lernen und auf Kultur haben – dass sie mehr davon haben in diesem Land zu leben.“

HANS ZEISLER

HANS ZEISLER gibt ehrenamtlich Deutschunterricht für Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft in der Thielallee. „Also ich wünsche mir vom neuen Jahr Frieden und ein friedliches Zusammenleben. Wir haben im nächsten Jahr Bundestagswahlen in Deutschland und da möchte ich, dass die demokratischen Parteien gewinnen – und nicht die radikalen.“

 

LISA PENTALERI

LISA PENTALERI studiert in London Sozialanthropologie. „Also, an sich, muss ich sagen, halte ich nicht viel von Neujahrsvorsätzen. Nur weil man eine neue Ziffer ans Ende der Jahreszahl schreibt, heißt das nicht, dass man sein Leben von Grund auf erneuert. Ich glaube, man sollte einfach zu jeder Zeit, so leben wie es den eigenen Idealen getreu ist. Für mich persönlich, wünsche ich mir, dass ich meine Lebensphilosophie und meine Ideale konsequenter lebe. Ich möchte nicht die Großkonzerne unterstützen. Ich will Gerechtigkeit verbreiten und ich möchte alles tun, was ich kann, um ein würdiges Leben für alle propagieren zu können. Aber es ist natürlich schwer, bei gewissen Läden nicht einzukaufen und stattdessen nur Essen zu kaufen, was unter fairen Bedingungen hergestellt wurde. Auf andere bezogen, würde ich mir wünschen, dass alle glücklich sind und sich ihre persönlichen Träume erfüllen können.“

DEVRIM YALÇINKAYA

DEVRIM YALÇINKAYA
ist Deutsch-Türke und arbeitet im Sicherheitsservice der Gemeinschaftsunterkunft in der Thielallee. „Ich wünsche mir endlich einen Profivertrag für meine Mannschaft. Ich spiele bei Hertha. Außerdem würde ich gerne mal zu meiner Familie in die Türkei reisen wollen.“

 

 

Übersetzung aus dem Arabischen von Susan Korakli-Watfe

Geschrieben von
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