Wer sind eigentlich diese Deutschen? (1)

Ingrid Kounadis
‫‪Ingrid‬‬ ‫‪Kounadis‬‬ ‫(‪(78‬‬ ‫‪„Mir‬‬ ‫‪macht‬‬ ‫‪es‬‬ ‫‪einfach‬‬ ‫‪Freude,‬‬ ‫‪Menschen‬‬ ‫‪etwas‬‬ ‫‪Gutes‬‬ ‫‪zu‬‬ ‫‪tun,‬‬ ‫‪zum‬‬ ‫‪Beispiel‬‬ ‫‪einen‬‬ ‫‪Tisch‬‬ ‫‪schön‬‬ ‫‪zu‬‬ ‫‪decken,‬‬ ‫‪zu‬‬ ‫‪kochen‬‬ ‫‪und‬‬ ‫‪mich‬‬ ‫‪zu‬‬ ‫‪kümmern.‬‬ ‫‪Das‬‬ ‫‪macht‬‬ ‫‪mich‬‬ ‫‪richtig‬‬ ‫‪glücklich.‬‬ ‫‪Vielleicht‬‬ ‫‪liegt‬‬ ‫‪das‬‬ ‫‪daran,‬‬ ‫‪dass‬‬ ‫‪es‬‬ ‫‪mir‬‬ ‫‪selbst‬‬ ‫‪einmal‬‬ ‫‪sehr‬‬ ‫‪schlecht‬‬ ‫‪ging‬‬ ‫‪und‬‬ ‫‪ich‬‬ ‫‪weiß,‬‬ ‫‪wie‬‬ ‫‪schön‬‬ ‫‪es‬‬ ‫‪ist,‬‬ ‫‪wenn‬‬ ‫‪man‬‬ ‫‪etwas‬‬ ‫‪geschenkt‬‬ ‫ “‪bekommt.‬‬ Foto: Juliane Metz

Serie: Warum sich Deutsche ehrenamtlich engagieren am Beispiel Ingrid Kounadis

So manche Geflüchtete wundern sich über das beeindruckende ehrenamtliche Engagement der Deutschen. Sie bekommen kein Geld und opfern vielfach einen großen Teil ihrer Freizeit dafür, neuangekommene Menschen bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat zu unterstützen – auch in Steglitz-Zehlendorf. Was sind das für Menschen? Warum tun sie das? Mit diesen Fragen im Kopf begab sich Juliane Metz auf die Suche und traf Engagierte aus unserem Bezirk.

„Möchten Sie Kaffee und Kuchen?“ Mit erwartungsvollen Augen sieht mich Ingrid Kounadis an, und ehe ich mich’s versehe, hat sie eine Kaffeetafel auf den Balkontisch gezaubert. „Ich bin ein Kriegskind – wahrscheinlich konnte ich deshalb noch nie an Elend vorbeigehen“, beginnt die 78-Jährige unser Gespräch. Eindrücklich erzählt sie von der Flucht aus ihrem Geburtsort Küstrin. Wie ihr jüngerer Bruder verhungerte, knapp ein Jahr alt. Dass ihr Haus bei der Rückkehr nach Kriegsende völlig zerstört war. Und sie als Fünfjährige mit ansah, wie Soldaten erhängt und Frauen vergewaltigt wurden. 1953 zog ihre Familie nach Berlin – und war mitnichten willkommen. Ihre Eltern wohnten im Notaufnahmelager Marienfelde, sie bei den Großeltern. Kleidung erhielten sie von der Kirche. Der Neubeginn war mühsam. „Es war schrecklich! Für die Geflüchteten muss das noch schwerer sein: Sie sind in einer fremden Umgebung und kennen weder das Land, noch können sie die Sprache! Dazu kommen die traumatischen Dinge, die viele erlebt haben.“ Die gelernte Krankenschwester hat ein volles Wochenprogramm: Sie leitet eine Blindengruppe, ist Mitglied einer AWO-Freizeitgruppe, malt und macht dreimal pro Woche Sport. Seit 2014 engagiert sie sich im Mittelhof und im Mehrgenerationenhaus Phoenix. Zukünftig würde sie gern im Mittelhof Kinder betreuen, während deren Mütter Deutsch lernen. Davon muss sie aber erst noch ihren Mann überzeugen, dem das gar nicht gefällt: „Sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste! Und sie ist kaum zu Hause! Wissen Sie, wer die ganze Hausarbeit macht?“ Ingrid Kounadis lächelt und zwinkert mir zu.

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