Von Autofahren bis Zwangsehe

Foto: Hussan Karimi
Foto: Hussan Karimi

Das schwere Leben afghanischer Frauen

In der heutigen Zeit ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein unvermeidliches Thema. Frauen beanspruchen die gleichen Rechte wie Männer. Sie wollen an allen Bereichen der Gesellschaft teilhaben. In fortschrittlichen Gesellschaften spielen Frauen auf wichtigen Gebieten wie der Politik, im sozialen Bereich, Sport oder Kunst eine große Rolle. Dort haben sie mittlerweile zumindest annähernd die gleichen Rechte wie Männer.

Anders in Afghanistan: Dort werden die Rechte der Frauen mit Füßen getreten. Afghanische Frauen sind nicht nur nicht gleichberechtigt, ihnen sind die Menschenrechte entzogen. Jeder Mensch, ungeachtet seines Geschlechts, sollte so leben dürfen, wie er möchte. Sollte entscheiden können, was er anzieht, welcher Arbeit er nachgeht, wen er heiraten möchte usw. In Afghanistan gilt dies nicht. Dort müssen Frauen, solange sie ledig sind, ihren Vätern und nach der Heirat ihren Männern gehorchen. Sie können nicht frei einen Mann wählen, der ihnen gefällt. Vielmehr werden Mädchen in diesem Land gezwungen zu heiraten, oft sogar, noch bevor sie geistig und körperlich reif sind. Viele Ehen wurden und werden in Afghanistan nach wie vor unter Zwang geschlossen. Dieser Zwang kann von Seiten der Familie des Mädchens oder der des Mannes ausgehen. Der Staat greift nicht ein, und so werden die Mädchen zum Opfer.

Überall auf der Welt gibt es die Möglichkeit zur Trennung, wenn ein Paar nach einigen Ehejahren bemerkt, dass es nicht mehr miteinander leben kann. Für afghanische Frauen ist die Scheidung ein großes Problem. In der traditionellen afghanischen Gesellschaft glauben viele, dass eine Frau bis zum Ende ihres Lebens mit demselben Mann leben muss, ganz gleich, unter welchen Bedingungen. Es sind vor allem die Familien, die es nicht erlauben, dass Frauen sich scheiden lassen. Schafft es eine Frau, ihre Familie zu überzeugen, gibt es weitere Hindernisse von staatlicher Seite. Die afghanischen Gesetze erschweren die Ehescheidung für Frauen stark. Sie lassen diese nur aus wenigen Gründen überhaupt zu, z.B. bei Drogenabhängigkeit. Wenn die Frau den Mann nicht liebt und mit ihm nicht mehr leben möchte, wird das als Grund nicht anerkannt.

Jeder Mensch sollte das Recht haben zu studieren, und zwar so lange, wie er will. In Afghanistan wird Frauen dieses Recht nicht zugestanden. Viele dürfen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht studieren. Manche, die es tun, werden während des Studiums von ihren Verwandten oder anderen Personen drangsaliert. Ein weiteres Problemfeld ist das Thema „Arbeit”. Einen Beruf auszuüben wird Frauen in Afghanistan generell sehr erschwert. Entsprechend ist die Zahl der weiblichen im Vergleich zu männlichen Berufstätigen sehr niedrig. Die Frauen sind im Arbeitsleben mit vielen Problemen konfrontiert, werden häufig schikaniert oder gar misshandelt. Es gibt sogar Fälle, in denen berufstätige Frauen mit dem Tode bedroht werden.

In vielen Ländern der Welt fahren Frauen ganz selbstverständlich Auto. Anders in Afghanistan: Hier fahren nur wenige Frauen, und diese werden nicht selten auf der Straße dafür beschimpft. Selbst das Fahrradfahren ist Frauen und Mädchen in Afghanistan verboten. Männer halten es für unanständig, und so verbieten sie es ihren Ehefrauen und Töchtern.

In fortschrittlichen Gesellschaften haben Frauen die beschriebenen Probleme nicht (mehr) und müssen auch nicht für ihre Grundrechte kämpfen, da diese meist viele Jahre zuvor erfochten und in die jeweilige Kultur integriert wurden. Weltweit sollten Frauen in rückständigen Gesellschaften wie Afghanistan unterstützt werden, damit ihnen zukünftig alle Grundrechte eingeräumt werden und sie eines Tages gleichberechtigt leben können.

Geschrieben von
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