Wer sind eigentlich diese Deutschen? (2)

Franziska Merkel-Anger (57) „Ich war mein ganzes Erwachsenenleben immer sehr dankbar, dass ich so behütet aufgewachsen bin, dass es mir so gut geht und ich keine Sorgen habe. Das habe ich immer als Geschenk empfunden. Und das möchte ich gerne weitergeben.“ Foto: Juliane Metz

Serie: Warum sich Deutsche ehrenamtlich engagieren am Beispiel von Franziska Merkel-Anger

So manche Geflüchtete wundern sich über das beeindruckende ehrenamtliche Engagement der Deutschen. Sie bekommen kein Geld und opfern vielfach einen großen Teil ihrer Freizeit dafür, neuangekommene Menschen bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat zu unterstützen – auch in Steglitz-Zehlendorf. Was sind das für Menschen? Warum tun sie das? Mit diesen Fragen im Kopf begab sich Juliane Metz auf die Suche und traf Engagierte aus unserem Bezirk.

Auf die Minute pünktlich fährt Franziska Merkel-Anger (57) in ihrem blitzblanken Großraumtaxi zu unserer Verabredung am Fischtal vor. Rund 50 Stunden in der Woche sitzt sie hinter dem Steuer. Wartezeiten nutzt sie, um für das Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf E-Mails zu schreiben und zu telefonieren. Anfangs hat sie nur Fahrdienste gemacht, dann kamen weitere Aufgaben hinzu. Eine echte Herzensangelegenheit ist für Franziska der persönliche Kontakt mit geflüchteten Menschen. Regelmäßig ist sie samstags von 15 bis 17 Uhr beim Begegnungscafe in der Ernst-Moritz-Arndt-Kirchengemeinde (EMA). Im Januar hat sie dort Ali und seine Familie aus dem Iran kennengelernt. „Wir haben Handynummern ausgetauscht, und im Nu hatte ich lauter Nachrichten auf Whatsapp, mit ‚Hallo, wie geht’s‘, blinkenden Herzchen und Smilies“, erzählt sie lächelnd. Als Ali und seine Frau Ablehnungen für ihre Asylanträge erhielten, organisierte Franziska einen Anwalt. Sie half Ali bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und bei der Wohnungssuche – beides mit Erfolg. „Ali und seine Familie haben viel Hilfe, aber auch viel Glück gehabt. Sehr viele Geflüchtete haben diese Unterstützung nicht. Ich kann andere nur ermutigen, Kontakt zu suchen! Anfangs denkt man vielleicht, man will nur etwas Gutes tun, aber dann ist man ganz schnell emotional beteiligt. Ich jedenfalls habe neue Freunde gewonnen, die ich schon jetzt nicht mehr missen möchte.“

Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf  www.wikobuesz.berlin

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