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Ein Exklusivinterview mit den Gründern von „Baynetna“, der ersten arabischen Bibliothek in Berlin

In Berlin gibt es jede Menge öffentliche Bibliotheken, fast jeder Stadtteil hat eine. Sie sind wichtige Orte des Zuganges zu Wissen und Information, aber auch des gesellschaftlichen, kulturellen Austausches, denn hier finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Seit kurzem hat Berlin nun auch eine öffentliche arabische Bibliothek – die erste ihrer Art in Deutschland. Sie heißt Baynetna („Zwischen uns“) und ist das Projekt einer Gruppe intellektueller junger Syrer, die es ohne finanzielle Fördermittel, allein durch ihr persönliches Engagement und mit Hilfe ihres Netzwerkes, ins Leben gerufen haben. Adnan Almukdad traf zwei Projektmitglieder, Maher Khwis und Dana Haddad, in den Räumen der Bibliothek, um mit ihnen über ihre Arbeit, ihre Ziele und die Pläne für die Zukunft zu sprechen.

Fotos: Hareth Almukdad
Fotos: Hareth Almukdad

Wie entstand die Idee für das Projekt „Baynetna“?

Alles begann damit, dass eine kleine Gruppe von Freunden einen Ort suchte, an dem Interessierte ihre Bücher untereinander austauschen können. In Syrien ist es üblich, unter Freunden Bücher auszutauschen. So kam übrigens der Name der Bibliothek zu Stande: „Baynetna“ bedeutet auf Deutsch „zwischen uns“. Er bringt auch zum Ausdruck, dass es sich hierbei um ein Non-Profit-Projekt handelt.

Wer gehört zum Projektteam?

Unser Team besteht aus fünf Leuten. Dr. Ines Kappert kommt aus Deutschland und leitet das Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie. Dana Haddad kommt aus Jordanien und studiert Architektur. Muhannad Qaiconie stammt aus Syrien und studiert Politikwissenschaften. Ali Hassan kommt ebenfalls aus Syrien und ist Musiker. Auch ich selbst bin Syrer. Ich hatte früher einen eigenen Verlag.

Ist die Zusammenarbeit in einem Team mit so unterschiedlichen Menschen harmonisch? Was waren eure größten Herausforderungen?

Die uns allen gemeinsame Idee für dieses Non-Profit-Projekt verbindet uns und hat uns stets an einem Strang ziehen lassen. Probleme gab es einige. Das größte war, passende Räumlichkeiten zu finden. Daneben gab es natürlich noch andere Herausforderungen. Wir nutzten gezielt unsere jeweiligen persönlichen Netzwerke, was uns sehr geholfen hat, das Projekt erfolgreich umzusetzen. Wem auch immer wir von diesem Projekt erzählten, war die Resonanz stets positiv, und die Leute versuchten uns zu unterstützen, beispielsweise indem sie uns weitere Impulse gaben, Kontakte herstellten etc.

Was ist das wesentliche Ziel eures Projektes?

Wir möchten vor allem unserer eigenen Kultur, unserem eigenen geistigen und kulturellen Besitz, der sich in den Büchern spiegelt und für uns identitätsstiftend ist, in unserer neuen Heimat einen Platz geben. Dieser Ort kann zu einer kulturellen Brücke werden. Er ermöglicht es, uns in unserem neuen Umfeld vorzustellen und Wissen über unsere Kultur öffentlich zugänglich zu machen. Schließlich haben auch wir eine Jahrtausende alte Geschichte und Kultur im Gepäck. Ein solcher Ort bietet die Möglichkeit zur Begegnung mit Einheimischen, aber auch für uns untereinander.

Jedes Projekt benötigt ja erfahrungsgemäß finanzielle und logistische Unterstützung. Habt ihr euch an Organisationen, Vereine oder Institutionen gewendet, die Non-Profit-Projekte fördern?

Bisher beruht unser Erfolg hauptsächlich auf dem persönlichen und unabhängigen Engagement der Projektmitglieder. Wir arbeiten nun schon seit einem Jahr und zwei Monaten daran und stecken alles hinein, was wir haben und was uns als Einzelpersonen möglich ist. Wir arbeiten ohne geregelte Förderung. Es soll ein öffentliches Non-Profit-Projekt sein und bleiben, ohne jegliche finanzielle Gewinne. Das ist sehr wichtig, immerhin obliegen solcherlei große Projekte normalerweise dem Staat. Wir haben einiges an Spenden erhalten. Davon haben wir eine Grundausstattung, Möbel, Regale etc., angeschafft, sodass wir einige Aktivitäten in Angriff nehmen und Besucher empfangen konnten.

Wer hat euch diese Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt?

Die Bibliothek erstreckt sich über die 15. und 16. Etage eines ehemaligen Hotels, das als vorübergehende Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wird. Auch wir werden hier nicht auf Dauer bleiben können und sind bereits auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten.

Wenn man die Räume betritt, sticht einem gleich das Design in die Augen. Wer hat diesen Ort so gestaltet?

Die Bibliothek wurde in Zusammenarbeit mit 15 Architekturstudenten und -studentinnen der TU Berlin gestaltet, von denen fünf auf Syrien stammen.

Welche Bücher wird es in der Bibliothek geben?

Alle möglichen Arten von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen. Die Bibliothek wird sich nicht auf eine bestimmte Art von Büchern beschränken. Wir werden häufig nach bestimmten Büchern und Nachschlagewerken gefragt, diese notieren wir uns dann, um sie zu einem späteren Zeitpunkt in den Bestand aufzunehmen. Zunächst ist es überhaupt erst einmal nötig, die Kapazitäten zu schaffen, um daraus eine öffentliche Bibliothek zu machen. Der Anfang ist jedoch schon vielversprechend, wir bekommen Sach- und Bücherspenden.

Gibt es bei euch auch kulturelle Veranstaltungen wie in anderen Berliner Bibliotheken?

Ja, einige Veranstaltungen haben bereits stattgefunden. Zukünftig wird es auch Filmvorführungen und noch mehr künstlerische und literarische Abende geben. Die Veranstaltungen werden auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht.

Hotel Bel Ahr

Hotel Bel Ahr
Stresemannstraße 95/97
10693 Berlin
Öffnungszeiten: Montag 18:00-23:00 Uhr
info@baynetna.de
www.facebook.com/betweenusberlin

Geschrieben von
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