Über Hertha zu Madrid

Foto: Hareth Almukdad
Foto: Hareth Almukdad

Unser Traum ist unsterblich

Ehrgeiz ist der geistige Treibstoff in unserem Leben. Was ist schon die Existenz des Menschen, wenn er keinen Ehrgeiz besitzt?
Unsere Träume sind ähnlich, unser Weg war derselbe, und unser Ziel ist das gleiche, daher habe ich mich dafür entschieden, über unseren gemeinsamen Traum zu schreiben, dem von mir und meinem Freund Alaa Al-Mekdad.
Alaa und ich haben uns im Flüchtlingsheim kennengelernt. Dort gibt es einen mittelgroßen Sportplatz, man könnte ihn auch Sechser-Sportplatz nennen, denn die Teams, die dort spielen, bestehen aus sechs Spielern. Alaa und ich sind dort miteinander ins Gespräch gekommen, und dabei habe ich gemerkt, dass er ähnliche Wünsche und Träume hat wie ich. In Berlin begannen wir, weiter an unserem Traum zu arbeiten. Wir fingen nämlich an, auf diesem Sportplatz Fußball zu spielen und zu trainieren, um körperlich wieder fit zu werden.
Dann bin ich in Berlin dem arabischen Fußballverein FC Al-Kauthar beigetreten. Dort hatte ich allerdings das Problem, dass alle anderen älter waren als ich und ich deshalb nicht mit ihnen spielen konnte. Zumindest aber konnte ich dort trainieren. Zur gleichen Zeit hat auch Alaa seine Erfahrungen in einem arabischen Fußballverein namens As-Suri al-Hurr gesammelt. Knapp zwei Jahre hat er dort gespielt. Dann verließ ich meinen Fußballverein, und auch Alaa ist von seinem Verein weggegangen. Wir beide wollten bessere Möglichkeiten finden, um unserem Traum näherzukommen. Wir sind also dem Verein Wilmersdorf beigetreten, allerdings aufgrund unseres unterschiedlichen Alters jeweils in einer anderen Gruppe; zumindest aber haben wir immer um die gleiche Zeit trainiert. Alaa hat eine Weile bei diesem Verein gespielt, während ich auf meinen Spielerausweis gewartet habe, mit dem es mir möglich sein sollte, dort nicht nur zu trainieren, sondern auch mitzuspielen. Bei einem Training erlitt ich dann einen Kreuzbandriss, der mich mehrere Monate daran hinderte, zum Sportplatz zu gehen. Während dieser Zeit machte ich eine Therapie, dank der ich schließlich wieder spielen konnte. Alaa seinerseits ist zum Verein Lichtenrade gewechselt und befindet sich in der Probephase.
Unseren Traum vom Fußball träumen wir schon lange: Wir waren nämlich schon als Kinder bei verschiedenen Fußballvereinen. Ich spielte damals in Damaskus bei einem Verein namens Fatian Filistin, und Alaa war bei dem Verein Al-Madschd in Daraa.

Wir verliebten uns beide mehr und mehr in den Fußball.

In der Schule wurde ich mehrmals als „Bester Spieler“ ausgezeichnet, und bei meinen Freunden war ich bereits als „Messi“ bekannt. Es ist schön, wenn man das Gefühl hat, dass man seinen Traum verwirklichen kann.
Dann brach der Krieg in Syrien aus, und wir beide flüchteten an einen anderen Ort. Ich reiste in den Libanon, und Alaa zog nach Jordanien. Da ich noch immer meinen Traum hatte, beschloss ich, im Libanon weiterzuspielen. Ich trat einigen Vereinen bei, allerdings konnte ich dort nicht viel ausrichten – der Rassismus war stärker als ich und bestimmte die Situation. Es war schmerzhaft, was ich dort – nur weil ich aus Syrien komme – erleben musste. Nach allem, womit ich konfrontiert worden war, spielte ich eine Weile keinen Fußball mehr. Und auch Alaa erging es wie mir.
Der Fußball lässt uns unser Leid vergessen, er befreit uns von den Strapazen des Lebens. Wir sind mit dem Fußball aufgewachsen, er ist die schönste Sache, die wir besitzen. Er ist wie ein Fenster, durch das wir atmen können, und verschafft uns seelische Entspannung. Wir haben uns dem Fußball hingegeben und werden unserem Traum treu bleiben.

Geschrieben von
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