Zweisprachige Erziehung (1)

Foto: Nikoo Beroozi

Herausforderungen und Lösungen

In den vergangenen Jahren wurden wir Zeuge eines enormen Anstieges der Migration weltweit. All diese Menschen, ganz gleich woher sie kommen und wohin sie gehen, sind damit konfrontiert, eine fremde Sprache lernen zu müssen. Dies ist ein Phänomen, das untrennbar mit dem Prozess der Migration verbunden ist. Eine fremde Sprache zu erlernen ist für die Migranten wie ein holpriger Weg mit unerwarteten Höhen und Tiefen. Die vielen Hürden lassen sich aber durch ausreichend Informationen bezüglich der Herausforderungen und Lösungen leichter bewältigen.
Sich eine Sprache anzueignen ist immer ein komplizierter und dynamischer Vorgang, der von verschiedenen Faktoren abhängt, z.B. vom Alter, von persönlichen Fähigkeiten und auch davon, wie stark man der Sprache ausgesetzt ist. Zweisprachigkeit lässt sich definieren als „zwei verschiedene Sprachen kennen und sie beide benutzen“. Sie entsteht entweder auf natürliche Art (simultane Zweisprachigkeit) oder schrittweise durch Unterricht (sukzessive Zweisprachigkeit). Eine natürliche Zweisprachigkeit entwickelt ein Kind, das sich von Geburt an und ohne Unterricht zwei Sprachen gleichzeitig aneignet. Im Unterschied dazu spricht man von einer schrittweisen Zweisprachigkeit, wenn ein Kind, das sich seine Muttersprache bereits teilweise angeeignet hat, im Alter von ca. drei bis vier Jahren beginnt, eine zweite Sprache zu lernen.
Welche Variante die bessere ist, hängt stark davon ab, in welchen Lebensumständen man sich befindet und welche Möglichkeiten man hat. Die Entscheidung muss in jedem Falle gut abgewogen werden. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass jede bilinguale Erziehung eines Kindes eine schwierige und langfristige Aufgabe ist. So wie die positiven Effekte dem Kind bis an sein Lebensende erhalten bleiben, so sind es auch die negativen, wenn man diesem Thema nicht genügend Aufmerksamkeit widmet. Folgeprobleme können sein: eine verzögerte Sprachentwicklung, die Vermischung von Sprachen, die Unfähigkeit, Gefühle zum Ausdruck zu bringen oder mit dem Umfeld zurechtzukommen, sowie Versagen in der Schule.

Die natürliche (simultane) Zweisprachigkeit

Wenn Sie Ihr Kind natürlich zweisprachig erziehen möchten, sollten Sie ihm von Geburt an oder bereits davor beide Sprachen anbieten – je früher, desto besser.

Was kann ich tun?

Die beste Option ist, dass das Kind beide Sprachen jeweils von Muttersprachlern hört. Wenn zum Beispiel beide Eltern persische Muttersprachler sind, ist es ratsam, dass sie auch nur Persisch mit ihrem Kind sprechen. Um dem Kind eine Zweitsprache anzubieten, beispielsweise Deutsch, können Sie Folgendes tun:

  • Spielen Sie Ihrem Kind deutsche Kinderlieder und Hörbücher vor, die von deutschen Muttersprachlern vorgetragen werden.
  • Bitten Sie deutsche Muttersprachler, mit Ihrem Kind Zeit zu verbringen und Deutsch mit ihm zu sprechen (zum Beispiel, indem Sie einen Babysitter engagieren).
  • Lassen Sie Ihr Kind mit Deutsch sprechenden Kindern spielen (auf dem Spielplatz oder im Kindergarten).
Foto: Hareth Almukdad

Einige Experten glauben außerdem, dass Kinder in mindestens einem Drittel ihrer wachen Zeit jeweils mit einer der Sprachen aktiv in Kontakt sein müssen, um eine natürliche Zweisprachigkeit zu entwickeln. Ist ein Baby beispielsweise neun Stunden am Tag wach, sollte es für mindestens drei Stunden mit der persischen und drei Stunden mit der deutschen Sprache konfrontiert sein. Dies ist ein wesentlicher Faktor für das erfolgreiche Lernen von Zweisprachigkeit.
Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind auch Zeit mit Muttersprachlern der Zweitsprache verbringt, ohne dass Sie selbst mit dabei sind. Das wird Ihrem Kind helfen zu begreifen, dass es auch notwendig ist, in der zweiten Sprache zu kommunizieren. Besonders ab einem Alter von drei Jahren, wenn das Kind schon etliche Worte spricht, ist der wiederholte Kontakt zu verschiedenen Muttersprachlern der Zweitsprache essentiell.

Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Götz

Das Thema wird in kulturTÜR Nr. 5 fortgesetzt. Dabei geht es vor allem um die schrittweise erlernte (sukzessive) Zweisprachigkeit. Zum zweiten Teil

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