Lieblingsorte in Berlin – Teil 3

Mit unserem Magazin kulturTÜR haben wir das Thema „Ankommen“ im Blick. Wir konnten schon viel darüber berichten, wie es aus Sicht von Geflüchteten wahrgenommen wird, wenn am Anfang alles unbekannt ist. Hier beschreiben Autoren ihre Lieblingsorte nicht nur in Steglitz-Zehlendorf, sondern in ganz Berlin. Gerne dürfen SIE auch mitmachen. Welchen Ort in der Stadt mögen Sie besonders, und was verbinden Sie mit ihm? Einige Orte sind gut bekannt – andere sind echte Geheimtipps. Viel Spaß beim Entdecken!

 

Übergangswohnheim Marienfelder Allee

Alle suchen eine Wohnung – ich nicht! Mein Lieblingsort ist das Heim in der Marienfelder Allee, wo ich zwei Jahre gelebt habe. Für mich waren es gute Tage dort. Es ist eines der größten Heime für Geflüchtete in Berlin. Besonders gefiel mir, dass es dort einen Platz für Fußball und Basketball gibt und einen großen Spielplatz für Kinder. Auch einen Landeplatz für Helikopter gibt es dort. Er kommt, wenn jemand sehr krank ist und nicht mit dem Auto oder Krankenwagen transportiert werden kann. Die Mitarbeiter sind sehr nett und freundlich, sie haben uns immer geholfen. Ich habe dort viele Freunde kennengelernt, Araber und Afghanen. Dann bin ich mit meiner Familie in eine normale Wohnung umgezogen. Zuerst wollte ich nicht gehen, weil ich viele gute Erinnerungen an dieses Heim habe. Ich habe mit meinem Vater geredet und ihm gesagt, dass ich dort bleiben möchte, aber mein Vater hat mir geantwortet, dass ich bei meiner Familie bleiben muss.

Khaled Abdul Razzak

 

Wannsee

Ich lasse das Großstadtgetümmel hinter mir, meine Gedanken streife ich alle ab, ich höre Wasser plätschern, die Sonne wärmt mein Gesicht und zaubert goldenes Herbstlaub in die umstehenden Bäume.
Der Wannsee gibt mir Energie, selbst im Winter, wenn er zugefroren ist und einige Enten zwischen den Eisschollen im Nebel Nahrung suchen. Dann kommt die Sonne, und es glitzert. Im Sommer, wenn die Berliner im Urlaub sind, ist er wirklich meine zweite Heimat geworden. Ostseefeeling: Weiße Segelboote kreuzen, soweit das Auge reicht, Surfer tummeln sich in der frischen Brise, ständiges Rauschen der Wellen, wenig Menschen.
Französisch, spanisch, arabisch, alles wird gesprochen, Kinder, junge Eltern, flotte Rentner, gute und weniger gute Schwimmer, Kaffee duftet, ein kleiner Picknickkorb, dazu etwas Gutes zu Lesen: Es ist ein Wochentag, wie ich ihn mir im Büro immer vorgestellt habe, und jetzt, in meiner Dauer-Auszeit, genieße ich die Zeit in der Badewanne Berlins, wie der Wannsee liebevoll genannt wird.

Yvonne Schmitt

 

Gärten der Welt

Die „Gärten der Welt“ liegen in der Nähe meines neuen Zuhauses. Nach mehr als anderthalb Jahren in provisorischen Unterkünften stellt das den ersten Schritt auf dem Weg zur Stabilität in meiner neuen Heimat dar. Ich freue mich, im Park Tausende von Bäumen und Blumen aus ganz verschiedenen Ländern zu finden. Und meine Tochter freut sich immer auf die Spielplätze, von denen jeder etwas Besonderes hat. Die reine Luft, die ich dort atmen kann, erinnert mich sehr an mein Dorf in Syrien und gibt mir Ruhe und Kraft.

Hareth Almukdad

 

Friedenauer Brücke

Als ich vor einigen Jahren nach Berlin zog, erlebte ich mein allererstes Berliner Silvester auf der Friedenauer Brücke. Da war eine so unglaubliche Stimmung und eine so unglaubliche Knallerei, dass die Ausgelassenheit und Stimmung dieser nächtlichen Stunden sich tief in meine Erinnerung eingeprägt haben. Jedes Mal, wenn ich über diese Brücke komme, muss ich innerlich erneut schmunzeln. Sie ist mein Lieblingsort in Berlin, auch wenn es nur eine Brücke über eine Stadtautobahn ist.

Axel Malik

 

Berliner Hauptbahnhof

Der Hauptbahnhof in Berlin ist mein Lieblingsort. Es ist der Ort, an dem meine Füße zum ersten Mal Berliner Boden berührt haben. Es ist ein Ort voller Leben und Bewegung. Mich beeindrucken sowohl die Technik als auch die vielen Züge, die oberirdisch, unterirdisch und in alle Richtungen verkehren. Er wirkt wie eine eigene kleine Stadt. Das schönste ist der Fluss, die Spree, die gleich hinter dem Bahnhof entlangfließt. Sie versprüht einen ganz besonderen Charme, den Reisende vor ihrer Abreise und bei ihrer Ankunft empfinden dürfen.

Osman Sana

 

 

 

 

 

 

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