Staatenlos – wie soll ich das erklären?

Foto: Hareth Almukdad
Für Kahled ist Heimat ein schwieriger Begriff Foto: Hareth Almukdad

Mein Land kenne ich bis jetzt nur von Fotos, weil ich als Flüchtling im Flüchtlingslager geboren bin. Meine politische Identität wird als „staatenlos“ bezeichnet. Ich bin nämlich Palästinenser.

Mein Opa ist (laut Dokumenten) in Palästina geboren. Er wurde 1948 – wie Tausende anderer Palästinenser – zusammen mit seinen Eltern aus Palästina vertrieben. Opa ist in den Libanon gegangen, andere gingen nach Syrien oder Jordanien und sind in ganz Arabien verstreut. Dort hat er nach vielen Jahren geheiratet und Kinder bekommen.

Als mein Vater vier Jahre alt war, ist Opa gestorben. Meine Oma hat die Kinder genommen und ist nach Foto: Hareth Almukdad Syrien gezogen. Mein Vater hat in Syrien studiert und gleichzeitig für die Familie gearbeitet, weil sie sehr arm waren. Nach 20 Jahren in Syrien hat mein Vater dort geheiratet. Kurz darauf bin ich geboren, ein Jahr danach meine Schwester.

In Syrien sind wir Palästinenser. Durch die Arabische Liga wurde festgelegt, dass jeder Palästinenser, der in Syrien, im Libanon oder im Irak lebt, ein Reisedokument und einen Ausweis erhält. Darin heißt es dann entsprechend „Syrischer Palästinenser“, „Libanesischer Palästinenser“ usw.

Wir haben gut in Syrien gelebt, und mein Vater ist Anwalt geworden. Dann hat der Krieg in Syrien angefangen. Deshalb sind wir in den Libanon geflohen. Aufgrund der schwierigen Situation dort sind wir drei Jahre später durch ein Aufnahmeprogramm nach Deutschland gekommen. Hier kennt man mein Land aber nur unter dem Namen „Israel“ – und wir gelten als „staatenlos“. Wir haben aber ein Land, und es heißt Palästina.

Wir haben eine Heimat, wir haben eine Identität, wir sind Menschen, und wir wollen in Frieden leben – in unserem Land. Auch wenn wir noch länger Zeit brauchen, wir lassen unser Recht an Palästina nicht los.

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