Perspektivenwechsel

Foto: Rita Zobel

Zu Besuch in der Willkommensklasse

Am 20. Oktober besuchte die achte Klasse des Beethoven-Gymnasiums (Lankwitz) die Willkommensklasse des Willi-Graf-Gymnasiums (Lichterfelde). Die Schüler des Beethoven-Gymnasiums beschäftigen sich im Ethik-Unterricht mit dem Thema Fremde und Heimat. Sie wollten mit Menschen sprechen, die neu nach Deutschland gekommen sind. kulturTÜR schlug vor, sich mit der Willkommensklasse des Willi-Graf-Gymnasiums zu treffen, um im direkten Austausch zu erfahren, wie es ausländischen Schülern hier geht und was sie vermissen. Als ehemalige Schülerin der Willkommensklasse am Willi-Graf-Gymnasium begleitete ich das Treffen.
Vor zwei Jahren wurden am Willi-Graf-Gymnasium die ersten Willkommensklassen eingerichtet. Im letzten Schuljahr konnten die Schüler mit Erfolg in Regelklassen geschickt werden. Nun wurde zum Anfang des Schuljahres eine neue Willkommensklasse aufgemacht. Anders als im Vorjahr kommen die zwölf Schüler aus ganz verschiedenen Ländern. Einige sind aus Südkorea, die anderen sind aus Italien, Bulgarien, Russland, Polen, Syrien, der Türkei usw. Da sie kaum eine gemeinsame Sprache sprechen, müssen sie sich untereinander auf Deutsch verständigen. Und das lernen sie bei Frau Hänel, der Lehrerin der Willkommensklasse, für fünf Stunden am Tag, von Anfang an bis zum Niveau B1.
Zur Einstimmung zeigte Frau Hänel ein Video, das die Schüler des Politikprofils zusammen mit der Willkommensklasse im letzten Jahr produziert hatten. Es heißt „Perspektivenwechsel“ und erhielt einen Preis von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Darin geht es um die Annäherung der Schülerinnen und Schüler aus den Regelklassen mit denen aus den Willkommensklassen des Gymnasiums, die sich erst sehr fremd waren und dann schließlich feststellten, dass sie doch gleich sind und viele ähnliche Hobby und Probleme haben.
Danach wurden kleine Gruppen mit jeweils zwei Schülern der Willkommensklasse gebildet, in denen sie sich gegenseitig ihre Frage stellen konnten. Im persönlichen Austausch waren nicht nur ihre Herkunft und ihre Lieblingsfächer in der Schule interessant, sondern auch, welche Hobby sie haben und welches Essen sie mögen.
Die ausländischen Schüler waren sehr motiviert, deutsch zu sprechen, und die deutschen Schüler freuten sich darüber. Manche sprachlichen Schwierigkeiten, die auf Deutsch unklar blieben, wurden mit Hilfe einer anderen Sprache geklärt, entweder auf Türkisch, Italienisch, Arabisch oder auch auf Englisch. Die deutschen Schüler brachten trotz ihres jüngeren Alters viel Verständnis für die Deutsch-Anfänger der Willkommensklasse mit, die noch mit vielen Fehlern, häufig ohne Artikel und manchmal sogar auch ohne Verb, ihre Sätze bildeten.

Trotz des „Kauderwelschs“ haben sie sich aber ganz gut verstanden und freuten sich, einander kennenzulernen.

Für die Pause hatten die Schüler etwas zum Essen und Trinken vorbereitet und Kuchen mitgebracht, und alle haben zusammen gegessen und getrunken. Im Schlusskreis konnten die Schüler der Willkommensklasse den deutschen Schülern noch beibringen, wie Tschüss oder Auf Wiedersehen in ihrer jeweiligen Muttersprache heißt. Die beiden Klassen gingen auseinander mit dem Vorsatz, im laufenden Schuljahr noch weitere Exkursionen gemeinsam zu planen.
Ich persönlich finde, dass jede Schule, die eine Willkommensklasse hat, eine besondere und unbeschreiblich tolle Schule ist. Jede Lehrerin und jeder Lehrer, der eine Willkommensklasse unterrichtet, ist bewundernswert für seine großartigen Leistungen, denn sie sind für die ausländischen Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Ansprechpartner und Wegbereiter für ihr Leben in Deutschland.

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