Maaloula – ein kultureller Schatz

Foto: Yvonne Schmitt

Syriens Geschichte und Kultur ist alt, wertvoll und äußerst komplex. Es gab und gibt verschiedene Religionen und auch Sprachen. Mitnichten sind alle Syrer Moslems.
Die syrische Stadt Maaloula ist dafür ein Symbol. Ihr Name kommt aus dem Aramäschen und bedeutet „Eingang“. Sie liegt etwa 56 km nordöstlich von Damaskus auf einer Höhe von 1500 Metern. Die christlichen und muslimischen Einwohner Maaloulas sprechen – neben Arabisch – heute noch Aramäisch, also die Sprache Jesu Christi.

Diese kleine Stadt, ihre Klöster und Kirchen sind bei Pilgern sehr beliebt. So zieht es alljährlich Tausende Touristen aus aller Welt zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September, zum Gedenktag der heiligen Thekla am 24. September und zum Gedenkfest der heiligen Sergius und Bacchus am 7. Oktober nach Maaloula, um gemeinsam mit Besuchern aus Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens die heiligen Feierlichkeiten zu diesen Festen zu begehen. Im Sommer war der kleine Bergort besonders bei Urlaubern aus Damaskus sehr beliebt. Wie in allen höher gelegenen Regionen der Levante ist auch in Maaloula der Winter sehr kalt und verschneit, der Sommer mild.

Zu den einmaligen historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen Klöster, Kirchen und Felsschluchten. In Maaloula finden sich außerdem für die Geschichte des Christentums außerordentlich bedeutende Stätten, darunter eine alte byzantinische Kirche und Gräber, die in den im Herzen von Maaloula gelegenen Fels gemeißelt wurden, sowie das griechisch-orthodoxe Kloster „Mar Thekla“.
Charakteristisch für die Ortschaft Maaloula sind auch deren Häuser. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufeinander gebaut sind, wobei ein Haus nie höher ist als das nächst höher gelegene. Dies macht die Dächer der Häuser zu einer Treppe. Die archäologischen Stätten, die Felsmassive, die Höhlen, die ins Gestein geschlagenen Grotten – allesamt wurden sie seit Urzeiten von Menschen bewohnt und erzählen eine Geschichte, die Tausende von Jahren und bis ins Zeitalter der Aramäer zurückgeht.

Die wichtigsten zwei Klöster in Maaloula sind das Kloster der heiligen Sergius und Bacchus und „Mar Thekla“. In Letzterem befinden sich die sterblichen Überreste der heiligen Thekla, der Tochter eines seleukidischen Herrschers und Schülerin des Apostels Paulus. Das Kloster liegt markant um eine Felsenhöhle herum gebaut, in die sich, der Legende nach, die heilige Thekla bei ihrer Flucht vor schlechten Menschen verstecken wollte. Sie saß allerdings in einer Sackgasse. Auf ihr Gebet hin teilte sich der Felsen und eröffnete ihr den rettenden Fluchtweg. Sowohl die Höhle als auch die Schlucht sind nach wie vor als solche erkennbar und bilden eben die Kulisse, um die das Kloster erbaut wurde. Die Felsschlucht „al-Fadsch“ ist eine weitere wichtige Attraktion Maaloulas. Sie zieht sich als enge Felsspalte von einem Ende des Berges zum anderen. Durch diese Spalte fließt ein Wasserkanal, dessen Pegel je nach Jahreszeit mal höher und mal niedriger ist. Die Menschen pilgern von überallher, um ein klein wenig von diesem Wasser zu trinken, in der Hoffnung, dadurch einen Segen zu erhalten, sich von einer Krankheit zu heilen oder sich geistig und körperlich zu reinigen.

Die syrische Revolution machte leider auch um Maaloula keinen Bogen. Im Herbst 2013 kam es zu Kampfhandlungen zwischen Rebellen und der syrischen Armee. Auf beiden Seiten und auch unter der Zivilbevölkerung kam es zu Toten und Verletzten. Die historischen Schätze sind zwar zum Großteil unbeschadet geblieben, besuchen kann sie jedoch kaum jemand. Bis in Syrien wieder Frieden ist, schläft der kulturelle Schatz Maaloulas und wartet, wie er es schon über die Jahrhunderte hinweg getan hat.

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