Editorial | Miteinander

Coverfoto: Martin Keune, Gründer der "Flüchtlingspaten Syrien"

Wir hier – ihr dort?

Viele Geflüchtete leben hier zwar vermeintlich sicher, sehnen sich aber nach ihrer Familie, die manche von ihnen Hals über Kopf zurücklassen mussten, wünschen sich, sie nachholen zu dürfen, und müssen fürchten, dass ihnen dies verwehrt bleiben wird. Die „Flüchtlingspaten Syrien“ helfen seit einigen Jahren mit großem Erfolg dabei, Familien wieder zusammenzubringen, wie das Foto auf der Titelseite zeigt und Yvonne Schmitt berichtet.
Weihnachten gilt als das Fest der Familie. Mit dem Leuchten von beschenkten Kinderaugen kann es so richtig schön sein, und selbst nicht christlich sozialisierte Menschen verspüren beim Beschenken einen „besonderen Geist“. In Syrien werden solche Feste auch gemeinsam mit den Nachbarn und Kollegen gefeiert, egal ob sie christlichen oder muslimischen Ursprungs sind.

Wie viel Sehnsucht muss jemand haben, der seine Familie in der Ferne weiß und sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat? Kesanet Abraham ist es um die Weihnachtszeit sehr schwer ums Herz, denn da vermisst er seine Familie ganz besonders. Während Raha Shegeft in ihrem Chor eine große Ersatzfamilie gefunden hat, stellen das Heimweh und die Sehnsucht nach den Lieben für viele Menschen eine besondere Herausforderung dar. Khatereh Rahmani hingegen betont, wie stark sie sein muss, um die Tage voller Einsamkeit zu überwinden. Wie viel von seiner Identität muss man aufgeben, um hier anzukommen, fragt Somayeh Rasouli. Integration ist da ein sperriger Begriff. Schwierig ist auch, dass er unterschiedlich definiert wird, und dass selbst die Kriterien für eine gelungene Integration strittig sind. Wie soll sich dann ein Mensch integriert nennen können?

Aus den Fehlern der Vergangenheit wissen wir, dass einer Ghettoisierung vorgebeugt werden sollte. Dennoch werden Geflüchtete weiterhin konzentriert an abgelegenen Orten angesiedelt, so dass sich kaum Verbindungen ergeben, und die Menschen parallel aneinander vorbeileben: Wir hier, ihr dort? kulturTÜR #5 widmet sich den Fragen, wie stark wir MITEINANDER sein können und was uns fehlt, wenn wir es nicht sind.

Im Namen der Redaktion

Adnan Al Mekdad, Stefan Hage, Mortaza Rahimi und Rita Zobel