Editorial | Heim…at

Coverfoto kulturTÜR Nr. 6 - Heim...at von Hareth Almukdad
kulturTÜR Nr. 6 - Coverfoto von Hareth Almukdad Während die Eltern noch nicht sicher sind, ob sie hier eine neue Heimat finden werden, ist es für das Kind, das hier geboren wurde, ganz klar, dass es hier zuhause ist.

Auf dem Weg vom Heim zur Heimat

Das Titelthema war noch offen und die bis dahin eingegangenen Beiträge unserer Autorinnen und Autoren ließen noch kein Titelthema erkennen. Dann kam unser Bildredakteur Hareth aus dem Libanon zurück. Er hatte sich dort mit seiner Familie aus Syrien getroffen, die er seit mehr als fünf Jahren nicht gesehen hatte. Von der Reise brachte er seinen Artikel „Auf der Suche nach einer Heimat“ mit. Zum Thema „Heimat“ hatten auf einmal alle Autorinnen und Autoren etwas beizutragen und überhäuften uns mit ihren Artikeln. Der Titel für die kulturTÜR-Nr. 6 lag also auf der Hand – noch bevor bekannt war, dass es in Deutschland ein Heimatministerium geben soll.

Was hat es auf sich mit dem Begriff Heimat?
Während es für die einen den Ort der Geburt, des Aufwachsens darstellt, haben andere weniger räumliche Vorstellungen davon. Sie verbinden ein Gefühl für Heimat eher mit vertrauten Personen, Klängen oder Düften. Und während die einen auf der Suche nach einer neuen Heimat sind, verhaften andere noch an dem Ort, der bisher Heimat für sie bedeutet hat. Die einen tragen schöne Erinnerungen in sich, die anderen möchten nur vergessen, was dort passierte, versuchen abzuschließen und nach vorne zu blicken. Für viele wird der Begriff Heimat erst dann relevant, wenn sich etwas ändert, wenn der bisher vertraute Ort verlassen wird oder verlassen werden muss: wenn also das, was vorher vertraut gewesen war, nicht mehr ist.

Und wofür stehen die Punkte im Titel „Heim…at“?
Ein Gefühl für Heimat entsteht nicht einfach so. Es ist ein Prozess, der eine gewisse Zeit in einem bestimmten Raum, eine Verortung, benötigt. Die Punkte im Titel „Heim…at“ stehen nicht nur für die unterschiedlichen Betrachtungsweisen, sondern deuten auf diesen Prozess hin. Noch immer befinden sich viele der Neuankömmlinge, die aus Krisengebieten geflüchtet und hier angekommen sind, in Notunterkünften oder im Heim. Aber mit zunehmenden Sprachfertigkeiten und einer positiven Aussicht auf eine Eingliederung in diese Gesellschaft erwächst das Gefühl, eine neue Heimat zu finden. Denn Heimat kann überall dort erlebt werden, wo man sich wohl und zugehörig fühlt.
Wir wünschen, dass viele Menschen bald den Weg vom Heim in die neue Heimat finden.

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