Hindernisse beim Deutschlernen

Der Besuch eines Sprachcafés bietet die Möglichkeit zum Austausch mit engagierten Ehrenamtlichen, die gerne individuelle Hilfestellung beim Deutschlernen geben. Foto: Juliane Metz

Wohl jeder von uns Neuankömmlingen in Deutschland würde gern Deutsch sprechen können und sich gut in die neue Gesellschaft mit ihren Gewohnheiten und Traditionen integrieren. Gerade Letzteres hängt aber mit der fließenden Beherrschung der deutschen Sprache zusammen, oder anders gesagt: Der Schlüssel zur Integration liegt im Erlernen der deutschen Sprache. Die sprachliche Integration stößt allerdings oftmals auf einige Hindernisse, die entweder im Lernenden selbst oder seinen äußeren Umständen begründet sind. Werfen wir doch mal einen näheren Blick auf diese Hindernisse.

Erstens: Persönliche Ursachen

Die Neuankömmlinge in Deutschland haben nicht den gleichen Bildungshintergrund. So gibt es darunter Universitätsund Hochschulabsolventen, Absolventen von Sekundarschulen und auch welche, die lediglich eine Grundschulausbildung hinter sich haben – diese Gruppe Lernender ist weitestgehend imstande, sich erfolgreich sprachlich zu integrieren. Dann gibt es welche, die ihre Muttersprache zwar sprechen, aber nicht lesen und schreiben können – diese Gruppe Lernender muss große Anstrengungen unternehmen, damit ihr die Integration durch die deutsche Sprache gelingt. Mohammed A., ein syrischer Flüchtling, den wir nach seiner Meinung zur deutschen Sprache fragen, seufzt und sagt: „Mein großes Problem ist, dass ich nicht einmal in meiner Muttersprache lesen und schreiben kann. Ich war selbstständig im Bau- und Marmorgewerbe tätig, es lief gut, doch dann kam der Krieg in Syrien, und ich flüchtete nach Deutschland. Für mich sind die größte Hürde beim Deutschlernen also die lateinischen Buchstaben, denn ich kenne sie überhaupt nicht. Ich muss die Sprache ohnehin ganz von vorn lernen, beim ABC beginnen. Und ich habe einige Probleme dabei, angefangen bei der Aussprache der Buchstaben bis hin zum Verstehen der Erklärungen. Dieses Problem ist aber viel mehr psychisch bedingt, als dass es an der deutschen Sprache selbst läge.

Ich fühle mich psychisch unter Druck, schließlich war ich bis vor einiger Zeit mein eigener Herr und hatte mein eigenes Gewerbe, jetzt aber drücke ich wieder die Schulbank.

Ich habe mir jedoch vorgenommen, beim Lernen voranzukommen, um mich bestmöglich in die neue Gesellschaft zu integrieren.“

Zweitens: Äußere Ursachen

Es gibt verschiedene, sich von Zeit zu Zeit verändernde äußere Umstände, die auf die Situation der Neuankömmlinge einwirken. Beispielsweise war die Zahl der Flüchtlinge, die vor 2015 nach Deutschland kamen, viel niedriger als die Zahl derjenigen, die in jüngster Vergangenheit hierhergekommen sind. Diese hohe Anzahl an Neuankömmlingen verzögerte in ganz Deutschland das Anmeldeverfahren für Sprachkurse und den Eintritt in diese Kurse. Fairerweise muss man sagen, dass die deutsche Regierung den Flüchtlingen wie auch Personen aus anderen europäischen Ländern neue Chancen eröffnete und ihnen Deutschkurse für jedes Sprachniveau zur Verfügung stellte. Allerdings gibt es einige Dinge, die die Neuankömmlinge daran hindern, den größten Nutzen aus diesen Sprachkursen zu ziehen. Die Hauptfaktoren sind:

Wortschatz und Grammatik sind oft nicht auf den Alltag abgestimmt.

So lernt man im Sprachkurs zwar viel, nur lässt es sich hinterher kaum im Alltag anwenden. Sobald man den Deutschkurs abgeschlossen hat – und das sogar bei sehr erfolgreich bestandener Abschlussprüfung, vergisst man nach kurzer Zeit, was man im Kurs gelernt hat, weil man es einfach nicht mehr verwendet. Die Wohnsituation spielt meiner Ansicht nach eine ganz gravierende Rolle für den Erfolg der Deutschlernenden. In der Tat ist die eigene Wohnung der wichtigste Ort, um Ruhe zu finden. Hat man dies nicht und lebt in einer Not- oder Gemeinschaftsunterkunft, kann sich das negativ auf das seelische Befinden auswirken. Trotz hoher Lernmotivation kann sich das wiederum nachteilig auf die Fortschritte beim Deutschlernen auswirken.

Auch die familiäre Situation hat Einfluss auf den Lernerfolg. Viele Flüchtlinge haben Familie in ihrer Heimat, oder ihre Angehörigen sind über alle möglichen Länder verstreut. Für viele Syrer und alle, die auf ihre Familienangehörigen warten, stellt dieses Warten einen weiteren Stressfaktor dar und erzeugt einen enormen seelischen Druck.

Aber trotz all dieser Probleme gibt es viele Menschen, die sehr schnell Deutsch gelernt und bereits bewiesen haben, dass sie sich erfolgreich in die deutsche Gesellschaft integrieren konnten – und zwar in Rekordzeit.

Geschrieben von
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