Kein Ende in Sicht: Das Leben in Notunterkünften

Foto: Juliane Metz

Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Ihre Augen und sehen jeden Morgen Menschen um sich herum, die Sie nicht kennen. Sie kennen auch nicht deren Kultur oder Gesellschaft. Jeder hat einen anderen Kleiderstil und ein eigenes Aussehen. Stellen Sie sich das Leben an einem Ort vor, an dem Sie nicht selber bestimmen können, wann Sie schlafen gehen oder aufwachen. Kurz gesagt, Sie haben keine Privatsphäre. Vielleicht müssen Sie solch einen Zustand sogar monatelang ertragen. Die beschriebenen Menschen sind Asylsuchende, und dieser Ort ist eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete.

Das Leben unter solchen Bedingungen ist für Frauen besonders schwierig. Am Anfang, als ich nach Deutschland kam, musste auch ich in einer als Notunterkunft umfunktionierten Turnhalle mit schlechten Lebensbedingungen leben und hatte mit schwierigen Situationen zu kämpfen. Die große Halle war ein einziger Ort zum Schlafen, Umziehen, Wäsche trocknen, Essen und Kinderspielplatz zugleich. Und das für mehrere hundert Menschen.

Mich auf die Bedürfnisse anderer einzustellen, wurde für mich mit der Zeit unerträglich. Wenn ich z.B. krank oder müde war und dringend Ruhe benötigte, mochte ein anderer gerade gerne Musik hören, oder Kinder spielten mit viel Lärm.

In so einer Notunterkunft ist niemand jemals allein. Immer und überall sind Menschen um einen herum; sogar beim Duschen! Wenn nur drei Duschen vorhanden sind, ist es kein Wunder, wenn sich Frauen darum streiten, wer zuerst duschen darf. Und welche Frau duscht nicht gern am liebsten allein?

Der Mangel an sanitären Einrichtungen führt zu großen Problemen. Eine einzige Toilette für eine große Menschenmenge scheint für viele unvorstellbar zu sein, ist aber durchaus Realität. Nur eine einzige Toilette für mehr als 150 Frauen und Kinder! Unter solchen Bedingungen und auf Grund mangelnder persönlicher Hygiene, ist die Gefahr von Krankheiten sehr groß.

Wer möchte unter solchen Bedingungen auch nur eine Nacht in einer derartigen Anlage verbringen? In Berlin leben derzeit noch 2400 Menschen in Notunterkünften. Diese sollen Ende 2018 geschlossen werden. Aber an vielen anderen Orten in Europa, z.B. in Italien und Griechenland, leben weiter Hunderttausende von Menschen in Lagern. Frauen und Kinder treffen die dramatisch schlechten Bedingungen besonders hart.

Die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft im Containerdorf bietet zwar noch keine Basis für eine neue Heimat, ermöglicht aber zumindest etwas mehr Privatsphäre und bessere hygienische Bedingungen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Freude über die Möglichkeit zum Kochen von Gerichten, die man lange schon vermisst hat.

Geschrieben von
Mehr von Raha Shegeft

Und wieder beginnt alles von vorne

Im Februar wurde die Notunterkunft in der Sochos-Sporthalle freigezogen Ich war eine...
mehr