2028 – Ein Tag in meinem Leben: Im Wohnprojekt „Eikpunt” bei Nijmegen

Es ist der 19. April 2028. Ich werde wach und höre Kinderstimmen, Fahrradklingeln, Vogelgezwitscher. Ich koche mir einen Kaffee, mache ein paar Körperübungen und setze mich fünf Minuten still auf mein Meditationskissen. Heute Morgen kann ich nicht in Ruhe herumtrödeln. Um zehn fängt die Arbeitsgruppe Gemeinschaftsraum an. Ich wohne im Mehrgenerationen-Wohnprojekt „Eikpunt“. Wir wohnen hier mit 60 Erwachsenen und 25 Kindern, ein paar Hunden und Katzen, nahe dem Fluss Waal, einer Verlängerung des Rheins. Auf der anderen Seite liegt die alte Universitätsstadt Nijmegen, in den Niederlanden.

In der mit Baumstämmen, Zweigen und vielen Pflanzen dekorierten Wohnung von Wil bereiten wir heute Morgen zu sechst unser traditionelles großes Frühlingsfest vor, für uns Eikpuntjes, unsere Freunde und Nachbarn. Wir überlegen uns lockere und lustige Spiele, Übungen und Tänze, für die Erwachsenen und die vielen Kinder. Wil hat eine leckere Suppe für uns gekocht. So sitzen wir danach, inzwischen mit ein paar Kindern dabei, auf ihrem Balkon herrlich in der Sonne.

Ich kann nicht so lange bleiben, weil ich mich in der Stadt mit meinem alten Freund Jos verabredet habe. Ich radle auf dem Deich Richtung Nijmegen. Dabei begegne ich Marieke und ihren drei Kindern, die alle mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wir stoppen und reden kurz ein paar Worte miteinander. Marieke will gerne einen Babysittertermin ändern, denn manchmal sorge ich für ihre Kleinste, die hinter ihrem Rücken hervorblinzelt.

In Nijmegen sehe ich Jos schon an einem Tisch im Café sitzen. Er schreibt gerne dort, inzwischen schon an seinem dritten Buch. Nach seiner Pensionierung hat er das fiktionale Schreiben entdeckt und gleich beim ersten Buch, für ihn selbst vollkommen unerwartet, den Literaturpreis der Stadt Nijmegen erhalten. Wir haben einander immer viel zu erzählen – und können herrlich zusammen lachen.

Auf dem Heimweg ist es am Fluss entlang so angenehm mild, dass ich am Eikpunt vorbei auf dem Deich weiterfahre in das idyllische Naturschutzgebiet. Ich beobachte die Vögel und lausche ihrem Gesang. Auf einer Bank sitzend, genieße ich den Abendhimmel und seine Spiegelung im Fluss.

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Mehr von Christien Braun