Ein Schauspieler, der aufbegehrt

Gegen den Missbrauch von Religion: Nawar Bulbul in seinem neuen Theaterstück „Mawlana“, das bereits in Frankreich, den USA und kürzlich auch in Berlin aufgeführt wurde. Foto: Hareth Almukdad

Porträt über Nawar Bulbul, der aus Syrien emigrieren musste und jetzt in Frankreich lebt

Schon früh hat Nawar gegen den Diktator aufbegehrt – wie sollte es auch anders sein, ist er doch der Sohn des großen Schriftstellers Farhan Bulbul, der in den 80ern das Theaterstück „La tarhab Had as-Saif“ („Habe keine Furcht vor des Schwerts Klinge“) schrieb. Darin heißt es: „Willst du in den schwärzesten Tagen ein Mann sein, so habe keine Furcht vor des Schwertes Klinge.“ Nawar scheint diese Ansicht – die für ihn so etwas wie das Vermächtnis seines Vaters an ihn ist – ganz und gar zu teilen. Denn so wie die syrische Revolution ausbrach, verkündete er seine absolute Unterstützung. Die große Gefahr, der er sich durch seine Teilnahme an den Demonstrationen aussetzen würde, hielt ihn nicht davon ab, an etlichen davon mitzuwirken. Doch das Regime hatte ihn im Visier und verfolgte ihn, was ihn schließlich dazu zwang, Syrien zu verlassen. Mit den syrischen Kindern im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari arbeitete er nach seiner Flucht an einem Theaterstück von Shakespeare, das er dort gemeinsam mit ihnen zur Aufführung brachte.

Nawar hat aber nicht nur gegen den Diktator aufbegehrt – er hat die Revolution zu einer Revolution gegen den Einfluss der religiösen Gelehrten erklärt, gegen deren Macht über die einfachen Leute, gegen den Missbrauch der Religion zum Nutzen des Diktators und gegen die Verunstaltung der Religion zum Zwecke persönlicher Vorteile. Genau darum geht es auch in seinem neuen Theaterstück „Mawlana“, das kürzlich in Berlin und zuvor bereits in Frankreich sowie den USA aufgeführt wurde. „Mawlana“ rückt genau jenen Schaden in den Mittelpunkt, den der Pakt der religiösen Gelehrten mit dem Diktator für die Gesellschaft anrichtet.

Foto: Hareth Almukdad

Nawar Bulbul wurde 1983 in der syrischen Stadt Homs geboren. Nach seinem Abschluss am Higher Institute for Dramatic Arts in Damskus spielte er bei Dutzenden syrischen TV-Serien und Theaterstücken mit. „Heiße Asche der Erinnerung“ („Dhakirat ar-Ramad“) und „Traum von der Nacht des Festes („Hilm Lailat al-Eid“) sind nur zwei davon; sie wurden in mehr als zehn verschiedenen Ländern aufgeführt und mit etlichen Preisen ausgezeichnet. 2006 wirkte Nawar beim Theaterstück „al-Munfarida“ mit, das sich politisch Verfolgten in Syrien widmet, die aufgrund ihrer Meinung in eine 1 qm kleine, dunkle Einzelzelle inhaftiert werden.

Die Kunst, so sagt Nawar immer, sei geschaffen worden, damit sie dem Volk dient – nicht einem repressiven Regime. Der Künstler müsse stets für Gewissensfragen eintreten, ohne dabei zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft zu differenzieren oder ein Gebiet gegenüber einem anderen zu bevorteilen.

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