Lieblingsorte in Berlin – Teil 5

Mit unserem Magazin kulturTÜR haben wir das Thema „Ankommen“ im Blick. Wir konnten schon viel darüber berichten, wie es aus Sicht von Geflüchteten wahrgenommen wird, wenn am Anfang alles unbekannt ist. Hier beschreiben Autoren ihre Lieblingsorte nicht nur in Steglitz-Zehlendorf, sondern in ganz Berlin. Gerne dürfen SIE auch mitmachen. Welchen Ort in der Stadt mögen Sie besonders, und was verbinden Sie mit ihm? Einige Orte sind gut bekannt – andere sind echte Geheimtipps. Viel Spaß beim Entdecken!

Raum der Stille am Brandenburger Tor

Es war bei einem Berlinbesuch Anfang der 90er-Jahre. Auf einem Spaziergang Unter den Linden entdeckte ich rechts vom Brandenburger Tor ein Schild. Auf blauem Hintergrund stand in weißer Schrift: Raum der Stille. Ich ging hinein und war überrascht, mitten im Trubel einen Ort zu finden, der zu Stille und Einkehr einlädt. An der alten Grenze zwischen Ost- und Westberlin hat hier jeder Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen, still zu verweilen, zu meditieren oder zu beten. Oder einfach nur zu entspannen. Inzwischen bin ich eine der ehrenamtlichen Betreuerinnen. Ein Ziel dieses sehr besonderen Ortes ist der Aufruf zu Geschwisterlichkeit und Toleranz jenseits aller Konfessionen. Zu den täglichen Öffnungszeiten von 11 bis 18 Uhr kommen weit über 100 Menschen aus allen Ländern, mit ganz verschiedenen Weltanschauungen, in allen Altersstufen und aus unterschiedlichen Erlebniswelten.

Christien Braun

Tempelhofer Feld

Jeden Samstag gehe ich zum Laufen auf das Tempelhofer Feld. Zu diesem Ort habe ich eine besondere Beziehung. Als ich im Mai 2016 nach Berlin gekommen bin, war das der erste Ort, den ich kennengelernt habe. Die Hangars des Flughafens wurden als Flüchtlingsunterkunft genutzt, und ich habe neun Monate dort gelebt. Um der Enge der Unterkunft zu entkommen, bin ich auf den Landebahnen gelaufen. Schon damals hat mich dieser Platz fasziniert, zu dem auch viele Touristen kommen, angezogen von der Weite und Freiheit dieses Platzes. Auch wenn die Zeit damals nicht einfach für mich war, ich bin ein Mensch, der nach vorne schaut und froh ist, frei leben zu können und neue Menschen zu treffen. Und abgesehen von den äußeren Umständen war es ein wunderbarer Sommer in jenem Jahr. Jetzt wohne ich in einer WG in Steglitz, aber es zieht mich immer wieder dahin zurück. Jeden Samstag treffe ich mich dort mit anderen, und wir laufen und laufen und laufen. Für mich ist der alte Flugplatz von Berlin der Beginn eines neuen Lebens, und ich werde ihn in meinem Herzen bewahren.

Ali Ahmad Rezaie

Savignyplatz

Auf dem Savignyplatz gibt es eine schöne Wiese mit Blumen, und man kann unter begrünten Pergolen sitzen. Zwischen der Knesebeck- und der Grolmanstraße gibt es viele Restaurants und Cafés. Dort kann man entspannt einen Cappuccino genießen und darüber nachdenken, dass der S-Bahnhof Savignyplatz bereits in der Vergangenheit das Ziel vieler Flüchtlinge aus aller Welt war und leider heute immer noch ist. Ich mag die lebendige Atmosphäre am Savignyplatz und gehe deshalb oft dorthin, setze mich auf eine Bank und mache mir Gedanken über meine Zukunft.

Khatereh Rahmani

Spreekanal

Im Sommer 2015 zog ich vom Vergnügungskiez Friedrichshain nach Moabit um. Seitdem komme ich in den Genuss, die Spreepromenade direkt vor meiner Wohnung zu haben. Direkt gegenüber liegt die „Fabrik der Zukunft“, wie das Produktionstechnische Zentrum der Technischen Universität auch genannt wird. Auf der Uferseite lässt sich das ganze Jahr über entspannt spazieren und bei angenehmeren Temperaturen auch sitzen und picknicken. Im Sommer fährt ein Schiff nach dem anderen an meinem Fenster vorbei, und die Nachbarschaft tummelt sich entlang des Kanals. Da wird musiziert, gegrillt und hin und wieder sogar geangelt. Das ist Urlaubsflair direkt in Berlin und gleich vor der Haustür! Nicht zuletzt deswegen zählt der Spreekanal ganz klar zu meinen Lieblingsorten.

Somayeh Rasouli

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