Ich bin stolz, Geflüchtete zu sein

Foto: Hareth Almukdad

Reflektionen nach der Flucht

Was ist „Flucht“? Haben Sie je darüber nachgedacht, was dieses Wort bedeutet? Ist es eine von uns selbst getroffene Entscheidung oder wurde es uns vom Leben auferlegt und wir hatten keine andere Wahl? Warum flüchtet die Hälfte des Volkes eines Landes in ein anderes und erträgt dafür alle nur erdenkliche Mühsal?

Für mich bedeutet dieses Wort Hoffnung. Jemand, der flüchtet, hat keine andere Wahl, als genau das zu tun – um seine Träume zu beschützen. Er trägt dabei eine ständige Hoffnung im Herzen, die ihn schließlich an den Ort bringt, an dem er die Tage verarbeiten kann, die vom Krieg bedroht waren.

Ich bin stolz, eine Geflüchtete zu sein. Denn es bedeutet, dass ich nicht aufgegeben und mich nicht dem Krieg gebeugt habe, der mein Zuhause zerstört hat, meine Schule in Flammen hat aufgehen lassen.

Es bedeutet, dass ich mich dafür entschieden habe, nachts in einem kleinen Boot den Kampf gegen das Meer anzutreten – einen Kampf, bei dem mich übrigens viele schwangere Frauen begleiteten. Zu Fuß durchquerte ich so einige Länder und ertrug dabei etliche Strapazen und meine immer schwerer werdenden Schritte. Wie schafften wir es bloß, all diese Mühsal und Widrigkeiten zu überstehen?

Wir schafften es dank des Verantwortungsgefühls unserer Entscheidung gegenüber, unsere Träume zu verfolgen. Und wir schafften es dank der Hoffnung, die ich eingangs erwähnt habe. Wir hatten nichts anderes als diese zwei Dinge, und wir brauchen auch nichts anderes, um den Weg weiterzugehen, den wir gewählt haben.

In dem Land, in dem wir sein wollten, stoßen wir nun aber auf Grenzen. Auf Gesichter, in denen geschrieben steht, wie sehr sie uns aus Angst vor dem Verlust ihres persönlichen Wohls ablehnen. Wir tun unser Bestes, um die neue Sprache zu lernen, sei sie noch so schwer und seien ihre Wörter noch so mühsam auszusprechen.

Wir tun unser Bestes, um uns selbst zu verwirklichen, gehen einer Arbeit nach und bringen uns in die neue Gesellschaft ein. Wir möchten durch und durch leben.

Unsere Wahl war die Emigration, und wir stehen dazu. Und ihr, die ihr aus diesem Land stammt, das das Ziel unserer Flucht war, erfüllt unsere Herzen nicht weiter mit Traurigkeit, sondern trefft die Entscheidung, sie mit einem Lächeln zu erhellen.

Wir sind Menschen, die weder vor den Tiefen des Meeres noch vor Panzern noch vor unerbittlichen Umständen zurückschrecken.

Geschrieben von
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