Warten auf die herzliche Umarmung der Familie

Nazifa Faizi lebt seit sechs Monaten mit zweien ihrer Kinder in Berlin. Das dritte Kind blieb mit seinem Vater an der geschlossenen Grenze in Griechenland zurück. Sie hat einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. Foto: Hareth Almukdad

Der langwierige Prozess der Familienzusammenführung

Der einzige Ort, an dem der Mensch Momente ohne Stress und die Sorgen des Alltags erleben kann, ist die eigene Familie. Die Umarmung der Eltern ist die erste Schule für die Herausforderungen des Lebens. Es gibt viele Menschen, die von Geburt an oder auf ihrem Lebensweg ein Elternteil oder manchmal sogar beide verlieren. Leider können wir das nicht beeinflussen. Aber manchmal sind die Lebensumstände oder die Gesellschaft der Grund dafür, dass ein Kind nicht bei seiner Familie sein kann.

Nazifa Faizi hat drei Kinder, lebt aber fern von ihrem Ehemann und einem ihrer Kinder. Sie hat einen traurigen Blick und ihre Augen warten jede Sekunde durstig auf das Wiedersehen mit ihrem Kind. Diese Frau wohnt seit sechs Monaten in Berlin. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage musste sie mit ihrem Ehemann und ihren Kindern ihr Heimatsland Afghanistan verlassen. Sie wollten so ihr Leben retten. Nach einer langen Reise erreichten sie Griechenland. Dort blieben sie stecken. Sie und ihre Familie lebten oft in schwierigen Situationen wie in Kälte und Hitze an Orten mit mangelhaften Umständen für ihr Baby. Trotzdem waren sie zufrieden. Die Familie, fünf Personen, war zusammen und lebte! Aber um welchen Preis? Sie konnten nicht mehr tatenlos warten und ihr Leben in einer Ruine ohne Aussicht auf bessere Umstände verbringen. Deshalb haben sie sich entschieden, weiter in ein Land zu reisen, in dem die Migranten bessere Lebensumstände haben: Deutschland. Aber es war nicht leicht, dieses Ziel zu erreichen. Die fünfköpfige Familie machte sich auf den Weg.

Es gelang jedoch nur der Mutter mit zwei ihrer Kinder, die Grenzen zu überqueren und ihr Ziel zu erreichen. Ein Kind blieb mit seinem Vater an der geschlossenen Grenze zurück.

Foto: Hareth Almukdad

Diese Familie ist ungewollt entzweit worden. Auf der einen Seite der Grenze wartet die Mutter auf ihr dreijähriges Kind, auf der anderen Seite wartet das dreijährige Kind sehnsüchtig auf den Arm seiner Mutter.
Es gibt einen Vater, der machtlos ist und nichts an dieser Situation ändern kann. Er ist Zuschauer dieser Trennung.
Die Eltern versuchen, ihre Familie wieder zu vereinen und ein gemeinsames Leben zu führen. Trotz aller Bemühungen und obwohl Nazifa und ihren Kindern der Aufenthalt in Deutschland zuerkannt wurde, konnten sie bis jetzt ihre Familie nicht zusammenführen.

Die Trennung von ihrem Ehemann und ihrem Kind hat für Nazifa und ihre Kinder viele Probleme verursacht. Ihren beiden Kindern wird seit langem die Vaterliebe vorenthalten. Das dreijährige Kind, hunderte Kilometer entfernt, ist weit entfernt von der herzlichen Umarmung seiner Mutter.

Nachdem Nazifa ihre Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland bekam, hat sie einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. Sie wartet nun auf die Antwort des BAMF. Aber dieser Prozess geht nur schleppend voran. Das Recht, mit der Familie zusammenzuleben, ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und durch die europäische Menschenrechtskonvention festgelegt.

Trotzdem leben die Mitglieder dieser Familie seit langem in zwei Ländern. Beide Staaten gehören zur Europäischen Union und trotzdem sind sie gezwungen, an verschiedenen Orten zu leben. Europäische Städte und Regierungen, insbesondere der deutsche Staat, könnten mit dem Entwurf eines Programms oder einer familienbezogenen Planung solche sensiblen Fälle beschleunigen. Damit diese Familie sowie tausende andere schutzsuchende Familien nicht unendlich lange auf ihre Angehörigen warten müssen. Damit ihr Warten irgendwann ein Ende hat.

Geschrieben von
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