Der Iran meiner Träume

Foto: privat 2009

Ein Gastbeitrag von PARHAM ETEMAD

In meinem Land gibt es keinen Krieg. Es gibt keine Kanonen, Panzer und auch keine Munition. Nein, die Kinder in meinem Land können in Frieden schlafen. Die Freiheit ist die Grundlage des Gesetzes meines Landes und Gerechtigkeit hat höchste Priorität. Keiner wird wegen der Ausübung seines Glaubens verhaftet und gerichtet. In meinem Land sind alle Menschen gleichberechtigt. Die Mädchen in meinem Land tragen die Kleider, die sie sich wünschen. Dort ist auch Musik nicht verboten und in allen vier Jahreszeiten gibt es eine Feier, auf der man in Freiheit tanzen kann. Ja, das ist mein Traumland. Ein schönes und traumhaftes Land.

Mein Land, der Iran, könnte auch so sein. Aber im Winter 1979 war dieser Traum auf einmal zu Ende.

Eine Wolke der Unwissenheit regnete über mein Land und ein schrecklicher Krieg folgte. Mein schönes Land, das Land der alten Dichter. Es wurde sogar eines ihrer Gedichte an den Eingang des UNGebäudes geschrieben.

Foto: privat 2009

Dieses Land ist für seine Hochkultur bekannt. Ein kultiviertes Land, welches für den Respekt und die Höflichkeit seiner Menschen geschätzt wird, achtet jetzt diese alte Kultur nicht mehr. Die Menschen haben alle diese traumhaften Eigenschaften des Landes geraubt. In meinem Land müsste Krieg keine Bedeutung haben. Kein Vater müsste sich wegen Armut vor seiner Frau und seiner Familie schämen und vor Leid Tränen vergießen. Keiner müsste seine Nieren verkaufen, um für seine Familie sorgen zu können. Und keine Mutter wäre gezwungen, sich zu verkaufen. In meinem Land müsste kein Kind arbeiten und keine Mutter müsste sich Sorgen um ihr Kind machen, ob es vielleicht in der Schule misshandelt wird. Mein Land könnte ein Land sein, in dem kein Kranker Angst haben müsste, dass er auf Grund von Sanktionen oder Inflation keine Medikamente mehr bekommt und vor Schmerz leiden müsste. Mein Land könnte ein Traumland sein, in dem Korruption und Ausbeutung keine Bedeutung hätten und als Strafe für jedes Vergehen müsste man ein Buch lesen. Es wäre ein Land frei von Todesurteilen. Aber jetzt wissen die Menschen in diesem Land nicht, ob sie morgen noch aufwachen. Die Mädchen in meinem Land haben vor Wut geschwiegen und die Mütter beten für die Freiheit ihrer Kinder, die im Gefängnis sind. Wir haben nur einen Platz, der Freiheit heißt (Meidan-e Azadi).

Auch ich habe seit Jahren geschwiegen und den Schutz in einem anderen Land gesucht. Vielleicht beruhigt sich hier mein Herzschmerz, den ich wegen meiner Heimat in mir trage. Der Iran hat einen Schmerz, der so groß ist, wie die Anzahl seiner Einwohner.

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