Hoppla – Stolperwörter

Wer die Sprache neu lernt, findet vieles komisch. Hier erfahren Sie, worüber sich unsere Autor*innen gewundert haben und worüber sie zu Beginn gestolpert sind.

„Guten Rutsch”

Ich habe bereits drei Silvesterfeiern in Deutschland verbracht und verschiedene Grüße zu dieser Gelegenheit kennengelernt. Aber in diesem Jahr, als ich spät abends mit meiner Familie nach Hause ging, trafen wir unseren Nachbarn in der Nähe unseres Hauseingangs. Es regnete, als er uns mit einem Lächeln begegnete und „Guten Rutsch“ sagte. Ich dankte, sah mich um, und warnte meine Frau vor dem Ausrutschen auf dem nassen Pflaster. Aber selbst im Haus auf der Treppe begrüßte er einen anderen Nachbarn mit denselben Worten. Ich war überrascht von den erneuten Warnungen, denn hier war es doch trocken. In meiner Wohnung angekommen, habe ich im Internet nachgeschaut und erst dann festgestellt, dass er uns einen guten Übergang ins neue Jahr gewünscht hat.

Hareth Almukdad


„Schwein gehabt”

In unserer Kultur hat das Schwein ein schlechtes Image. Das Wort wird in der Umgangssprache als Beleidigung benutzt. Das kommt daher, weil die Mehrheit der Gläubigen Muslime sind und der Konsum von Schweinefleisch in der islamischen Welt verboten ist. Nun hat mein Freund eine Messe besucht, auf der ein Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen gefeiert wurde. Da gab es eine Verlosung, und es wurden Nummern an die Gäste verteilt. Mein Freund hat einen nagelneuen Fernseher gewonnen und sagte: „Da habe ich Schwein gehabt!“ und lachte. Ich war völlig überrascht: „Was hat denn der Fernseher mit einem Schwein zu tun? Hat er etwa ein Schwein gefangen? Aber er hat doch nie gejagt.“ dachte ich. Als ich ihn danach gefragt habe, hat er nur gelacht und gesagt: „Das heißt nur, dass ich Glück gehabt habe und zufrieden bin.“

Saeed Samer Belbeisi


„Grüß Dich“

Beim Erlernen der deutschen Sprache passierten mir viele lustige Dinge. Wenn ich mich daran erinnere, lache ich immer. Das Lustigste passierte, als ich einen Sprachkurs auf Niveau B2 besuchte. Immer wenn ich morgens in die Klasse kam, sagte die Lehrerin zu mir: „Grüß dich, Mortaza!“ Ich verstand aber „Groß dich“ und jedes Mal, wenn ich diesen Satz hörte, war ich überrascht. Warum sagt sie das? Wie soll ich mich denn größer machen? Ich bin doch schon 170 cm groß und es liegt nicht in meiner Hand, mich noch größer zu machen. Damals habe ich mir gedacht, es sei ein Imperativsatz und es gibt ein Verb, das heißt „großen“. Nach einiger Zeit habe ich endlich die Lehrerin gefragt. Wie sollen wir uns denn größer machen? Als meine Klassenkameraden das gehört haben, haben sich alle – einschließlich der Lehrerin – kaputtgelacht. Dann hat die Lehrerin an die Tafel geschrieben was sie meinte: „Grüß dich, Mortaza“. Und das heißt in der deutschen Sprache soviel wie „Hallo“ und stellt eine Begrüßung dar.

Mortaza Rahimi

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