Von der Welt vergessen

Foto: Amber Clay, Pixabay

 Die verkauften Kinder Afghanistans

Es regnete stark. Überall war es nass und schlammig. In den Zelten, dem einzigen Zufluchtsort der vertriebenen Familien, stand das Regenwasser. Trotz allem spielten Kinder in den Ecken der klammen Zelte viele von ihnen ahnten nichts von dem düsteren Schicksal, das ihnen drohte. Unbekümmert saßen sie in der winterlich kalten Sonne, um ein paar warme Sonnenstrahlen zu erhaschen.

Kürzlich hat die VOA (Voice of America) einen schockierenden Bericht über ein Flüchtlingslager in der Stadt Herat veröffentlicht. Hier leben Dutzende binnenvertriebener Familien aus der Provinz Badghis. „Armut und Hunger haben viele Familien gezwungen, ihre Kinder zu verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern“, steht in diesem Bericht.

Ghulam R., einer der Binnenvertriebenen aus dem Bezirk Qaades, Badghis, sagt, er und seine Familie seien dem Krieg entflohen und zum Überleben nach Herat gekommen nun aber liefen er und seine Kinder Gefahr, zu verhungern. Die Regierung kümmere sich überhaupt nicht um die Binnenvertriebenen. Diese würden Kräuter und Gras essen, um zu überleben.

Foto: Amber Clay, Pixabay

Mohammad G., ein anderer Bewohner desselben Lagers, war gezwungen, eines seiner Kinder zu verkaufen, damit er und seine anderen Kinder überleben können – ein absolut schockierendes Schicksal für Kinder, die nicht wissen, was sie erwartet. Das eigene Kind ist für einen Vater sein einziges „Kapital“, für das er keinen Preis ansetzen kann, aber Armut, Hunger und Krieg zwingen manchen Vater dazu, sein Kind zu verkaufen. Der endlose Krieg, der seit mehr als vier Jahrzehnten tobt, hat den Menschen zahlreiche Qualen aufgezwungen – ein Kind zu verkaufen ist eine davon. Laut Alison Parker, der Sprecherin des Kinderhilfwerks der UNICEF (United Nations International Children’s Emergency Fund), sind Kinder die Hauptopfer des Krieges in Afghanistan und bedürfen daher der besonderen Fürsorge und Unterstützung. Die UNICEF hat 161 Fälle von Kindesverkauf in den drei Provinzen Badghis, Ghor und Herat registriert 151 davon sind Mädchen.

Mit der zunehmend unsicheren Lage in Afghanistan wurden viele Bürger vertrieben und suchten Zuflucht in anderen, nicht unbedingt sichereren Städten. Viele sind in die westliche Provinz von Herat geflohen. Sie haben sich in Dörfern und in den Bergen niedergelassen und leben unter sehr schwierigen Umständen in Zelten. Allein im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Vereinten Nationen 223.000 Menschen aus den drei Provinzen Badghis, Ghor und Faryab gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und nach Herat zu flüchten. Eigentlich wäre die afghanische Regierung verpflichtet, diesen Flüchtlingen zu helfen und sie unterzubringen. Selbst von Korruption durchdrungen schenkt sie diesen Binnenvertriebenen jedoch überhaupt keine Aufmerksamkeit. Was wird zukünftig mit den Kindern geschehen, die Gefahr laufen, verkauft zu werden oder bereits verkauft wurden? Welches ist ihr Schicksal und was kommt auf sie zu?

Auf diese unschuldigen Kinder warten unzählige Katastrophen. Unfreiwillig wurden sie in dieses Schicksal in Afghanistan hineingeboren. Nachdem ihre Eltern gezwungen waren, sie zu verkaufen, darf man sie nicht im Stich lassen. Diese und viele andere Kinder in kriegszerrütteten Ländern brauchen dringend Hilfe. Die Welt darf sie nicht vergessen.

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Geschrieben von
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