Mein Lebensgemälde

Foto: Hareth Almukdad
Um ihre Träume zu verwirklichen, setzt Samira sich Ziele, die sie sich so konkret wie möglich ausmalt und dann mit Hingabe und Fleiß verfolgt

Ich habe gelernt, für die Zukunft, die ich mir wünsche, Träume zu haben. Um diese Träume zu verwirklichen, muss ich mich anstrengen. Ein Ziel wird nur mit Fleiß und Arbeit möglich sein. Aber wie kann man ein Ziel erreichen? Ist das überhaupt möglich? Welche Eigenschaften sollten Ziele haben? Aller diese kleinen und großen Fragen haben mich lange Zeit beschäftigt. Sie spornten mich an, etwas zu unternehmen. Auf den ersten Blick schien es ganz einfach, ein Ziel zu haben und zu definieren. Aber ich, als Asylbewerberin in einem anderen Land, brauchte länger, bis ich klare Ziele vor Augen hatte.

Die Integration im Gastgeberland ist nur durch das Erlernen der Sprache und durch Arbeiten möglich. Ich musste wissen, welche Ziele ich hatte und welche Schritte ich unternehmen müsste, um diese Ziele erreichen zu können. Erst habe ich mir ein klares Ziel ausgemalt. Der Gebrauch des Wortes Ausmalen ist meiner Meinung nach hier völlig korrekt. Denn wenn ein Maler ein Gemälde bis zu Ende malt, ist es seine Liebe zum Detail, was sein Werk zu etwas Besonderem macht. Ein Ziel ist genau wie ein Gemälde. Der Mensch ist der Maler seines eigenen Lebens, der sein Lebensgemälde malt. Das Leben ist eine Sammlung von großen und kleinen Zielen, welche sich im Laufe des Lebens vervollständigt.

Aber was macht mein Gemälde schöner? Klare und transparente Ziele! Ich habe mir die Ziele meines Lebens in ein Heft geschrieben, und den Weg, um diese Ziele zu erreichen, habe ich auch bestimmt. Der Hauptschlüssel, um all meine Ziele zu erreichen, ist das Erlernen der deutschen Sprache. Alle meine Motive und Kräfte konzentrieren sich in diese Richtung. Aber wie kann ich diesen Hauptschlüssel bekommen, der mich zu all diesen Zielen führt? Zuerst brauche ich Hoffnung und muss vom Herzen her daran glauben. Als nächstes muss ich mich anstrengen. Meine Bemühungen beginnen schon im Unterricht. Ich schreibe alles auf, was der Lehrer sagt, und höre genau zu. Ich lerne neue Wörter, indem ich diese auf kleine Karten schreibe. Auf dem Schulweg hin und zurück wiederhole ich sie. Fleiß spielt beim Erreichen meiner Ziele eine große Rolle. Wenn ich mir als Ziel die beste Note vornehme, werde ich diese Note eher erreichen, als wenn ich mir eine schlechtere vorstelle, weil ich mich dann weniger bemühe. Letztendlich würde ich nicht einmal die Hälfte dieser Note erreichen.

Glaube, Hoffnung und Ausdauer sind die Motivation, warum ich an die Zukunft denken kann. Zweifellos gibt es auf diesem Weg Probleme, Müdigkeit und Mutlosigkeit. Aber es ist wichtig zu wissen, dass es nach jedem Bergab auch ein Bergauf gibt. Nach jedem Regen folgt Sonnenschein. Hoffnungslosigkeit führt nicht zum Ziel. Man muss aufstehen und sein Leben wieder in die Hand nehmen. Aus diesem Grund bemühe ich mich, dass ich der Mensch werde, der ich sein möchte. Hier muss ich an ein Gedicht aus dem ersten Buch von Masnawi Manawi Molana* denken, in dem es heißt: Wenn 100 kommt, liegt 90 schon hinter mir.

Aus dem Farsi übertragen von Maryam Olfati.

*https://de.wikipedia.org/wiki/Dschalāl_ad- Dīn_ar-Rūmī

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