Shiraz – Stadt der Rosen und Nachtigallen

Der Garten des Paradieses - Baq-e Eram in Shiraz. Foto: Yvonne Schmitt
Die Oasenstadt wurde auch von den berühmtesten Dichtern des Landes besungen

Bienen und Schmetterlinge tanzen um Rosenblüten. Im Sonnenschein tollen Kinder auf der großen Wiese vor der Zitadelle und die Shirazi tun das, was die meisten Iraner im Frühling lieben: sie picknicken am Wochenende. Um diese Jahreszeit ist es in Shiraz, der Hauptstadt der iranischen Südprovinz Fars, rund 1000 Autokilometer südlich von Teheran gelegen, schon sommerlich warm. Die Oasenstadt am Fuße der einst so berühmten Weinberge gleicht blühenden Blumenund Obstgärten, die von Quellen des Zagros-Gebirges im Südwesten bewässert werden.

„Shiraz, die edle Schwester von Damaskus, liegt inmitten von Obstgärten, und fünf Flüsse bringen ihr Erfrischung“, schrieb der marokkanische Rechtsgelehrte und Autor des autobiographischen Reiseberichts, Ibn Battuta, der die islamische Welt im 14. Jahrhundert bereist hat.

Kein Wunder, dass die beiden berühmten Dichter des Landes Hafez und Sa’di von der Stadt der Rosen und Nachtigallen schrieben.

Die Rosenzüchtung ist ein tausendjähriger Schatz der Stadt. Die Blätter der Königin der Blumen werden zu Parfum oder Blütenwasser verarbeitet, das u. a. auch die persische Küche bereichert.

Typisch für Shiraz ist das Falludeh-ye Shirazi, das Glasnudeleis mit Rosenwasser; eine Erfrischung auf den Spaziergängen in Gärten und Parks.

Von Norden her kommend fährt man durch das Koran-Tor, ein ehemaliges Stadttor aus dem zehnten Jahrhundert, in dem zum Schutz der Stadt ein Koran eingebaut wurde. In der Nähe dieses Stadttores erreicht man das Hafez-Mausoleum, das Hafezieh, das mitten in einem prächtigen Rosengarten liegt. Khadje Shams-ud-Din Mohammed, der die schönsten göttlichen und sinnlichen Liebesliederund Gedichte schrieb, wurde um 1326 in Shiraz geboren und starb dort 1389 oder 1390. Er erhielt den Beinamen Hafez, was soviel bedeutet wie „der den Koran auswendig kennt“ oder der „Bewahrende“. Überall im Land trifft man auf Menschen, die einige Verse von Hafez auswendig rezitieren können. Seine Werke wie der Diwan sind über die Grenzen des Orients hinaus gedrungen und haben Johann Wolfgang von Goethe zu seinem Werk, dem West-Östlichen Diwan, inspiriert. Auf dem Marmorgrabstein in einem von acht Säulen getragenen Pavillon aus dem 18. Jahrhundert sind ebenfalls Verse eingemeißelt. Einem Himmelszelt gleich bedecken schmuckvolle Fliesen die Innenwölbung des Baus. Es ist eine Oase der Ruhe umgeben von schattenspendenden Bäumen und bunter Blumenpracht. Paare, die auf Familienzuwachs hoffen, Menschen, die Trost, Freude und Zuversicht erbitten, berühren den Marmorstein und murmeln Hafez’ Verse. Und in ein einem kleinen Teehaus hinter dem Mausoleum kann man allerlei persische Süßigkeiten naschen.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Mausoleum des zweiten großen Dichters des Landes: Von Musharif ud-Din Shirazi, dessen Schriftstellername Sa’di ist. Um 1182 ist der Dichter und Mystiker ebenfalls hier geboren und verstarb als Hundertjähriger. Ein prachtvoller Park mit einem längs angelegten Bassin, das von üppigen Blumenbeeten umsäumt wird, führt zu einem modernen Grabmal von 1952, in dessen Kuppelbau sich rundum glasierte Fliesen voller Blütenranken mit Gedichten Sa’dis abwechseln. Neben dem Säulenbau führt ein Kolonnadengang zum hinteren Teil der Parkanlage. Hier laden schattige Plätze ein, um vielleicht an Sa’dis bekannteste Werke wie den Bustan, den Duftgarten, und den Golestan, den Rosengarten zu denken. Und kommt der Besucher erst gegen Abend in den Park, wird er vom Gesang der Nachtigallen begleitet.

Das Korantor – Darwaz-e Qor’an in Shiraz. Foto: Yvonne Schmitt

Orangen und Zitronenhaine, Zypressen und Rosenstöcke inmitten erfrischender Brunnen und schmuckvollen Pavillons erwarten den Besucher auch im Baq-e Narandjestan, dem Orangengarten oder im Baq-e Eram, dem Garten des irdischen Paradieses. Dieser liegt unweit der Universität von Shiraz und gehört als Botanischer Garten mit einem prachtvollen zweistöckigen Gartenpavillon zur landwirtschaftlichen Fakultät.

Schon vor und zur Zeit der persischen Achämenidendynastie ab dem sechsten Jahrhundert vor Chr. gab es in dieser fruchtbaren Ebene eine Ansiedlung. Wahrscheinlich nach der arabischen Invasion im siebten Jahrhundert nach Chr. entstand die Stadt, die unter der Zand-Dynastie (17501779) als Hauptstadt aufblühte. Karim Khan Zand ließ 1758 seinen Herrschaftssitz von der Vorgängerdynastie der Safawiden von Isfahan hierhin verlegen und wollte ebenso prachtvolle Bauwerke wie in Isfahan errichten. Aus dieser Zeit sind heute noch u. a. die mit fliesengeschmückter Fassade überzogene Vakil-Moschee, der große Vakil-Bazar mit seiner 800 m langen Durchgangsstraße und die gewaltige Karim-Khan-Zand Zitadelle mit ihren zinnengekrönten Rundtürmen, die in jener Zeit zum königlichen Palastgebäude gehörte, erhalten. Heute zählt die Stadt rund zwei Millionen Einwohner und ca. 20.000 Studierende.

Neben der Freitagsmoschee und der Moschee Nazir-ol Molk, die im Innern durch ihre bunten Glasfens-ter in der Morgensonne strahlt, sei noch das Shah-Tscheraq-Mausoleum, König des Lichts, erwähnt, eine Grabmoschee für Amir Ahmad, den Bruder des berühmten Imam Reza, der im Nordosten des Landes in Mashad im großen Heiligtum der Schiiten bestattet ist.

Ein weiterer Höhepunkt einer Shirazreise liegt rund 50 km nördlich entfernt: Die persische Achä-menidenresidenz Persepolis, Takht-e Djamshid, Thron des Djamshid, genannt. Diese Dynastie regierte vom sechsten bis vierten Jahrhundert v. Chr. das persische Weltreich. Unweit von hier befinden sich Felsgräber achämenidischer Großkönige und Felsreliefs aus dem Sassanidenreich (3. bis 7. Jh. n. Chr.). Die älteste achämenidische Residenzstadt Pasargadeh, die von Kyros dem Großen rund590 v. Chr. gegründet wurde, liegt 130 km nördlich von Shiraz Gründungen eingebettet im Kernland der Provinz Fars, deren Name sich vom Stammland Pars herleitet wie auch die heutige gesprochene Sprache des Landes: Farsi.

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