Mein Jahr als „Bufdi“

Die Arbeit mit Kindern macht Ali viel Spaß. Sie erinnert ihn an seine eigene Kindheit. Foto: Ali Reza Naderi
Ali absolviert ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst und sammelt so wertvolle Arbeitserfahrung für die Zukunft

Im Juli 2018, nachdem ich die zehnte Klasse abgeschlossen hatte, habe ich mich für eine dreijährige Ausbildung im Fachbereich Fernsehen und Rundfunk entschieden. Ich begann, mir einen Praktikumsplatz zu suchen. Doch fast alle Firmen, bei denen ich ein Praktikum machen wollte, verlangten mindestens Abitur. Ich suchte weiter nach einem Weg, um einen passenden Beruf für meine Zukunft zu finden. Im August 2018 habe ich dann einen deutschen Freund, der eine Theatergruppe besuchte, begleitet. Am Schluss des Programms lernte ich einen deutschen Mann namens Ralph kennen. Er war Rundfunkjournalist und teilte mir mit, dass man im Mehrgenerationenhaus Berlin freiwillige Arbeitskräfte suchen würde. Er hatte mich in diesem Zentrum für freiwillige Arbeit im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes vorgestellt.

Der Bundesfreiwilligendienst ermöglicht Asylbewerbern seit 2015 sich im Rahmen freiwilliger Arbeit in Deutschland zu integrieren und das Alltagsleben der Deutschen kennenzulernen. Er gibt Asylsuchenden, die erst seit kurzem in Deutschland sind, die Möglichkeit, gemeinnützige Arbeit zu verrichten und somit Arbeitserfahrung zu sammeln.

Freiwillige Arbeit hat viele Vorteile. Noch wichtiger ist es, dass diese Arbeit den Asylsuchenden hilft, sich im Leben in Deutschland zu orientieren und bei der Entscheidung bezüglich des zukünftigen Berufs zu helfen. Seit September 2018 mache ich ein Jahr freiwillige Arbeit im Bereich Kindererziehung, weil ich Kinder liebe. Die Kinder, die ich betreue, sind aus verschiedenen Ländern und Kulturen und sprechen verschiedene Sprachen. Sie kommen nach der Schule zu uns. Wenn sie bei uns sind, essen sie zu Mittag und wir beschäftigen uns mit ihnen in verschiedenen Aktivitäten wie Computerspielen, Kinooder Schwimmbadbesuchen. Sie sprechen mit uns in der Kindersprache, und wenn ich mit ihnen rede, stelle ich mir vor, dass ich eines dieser Kinder bin und erinnere mich wieder an meine Kindheit. Anfangs kannte ich nicht viele Menschen in Berlin, aber jetzt, durch die freiwillige Arbeit, habe ich viele soziale Kontakte geknüpft, sowohl mit Deutschen als auch mit Asylbewerbern. Jetzt kann ich mit Menschen besser umgehen. Meine Sprache hat sich verbessert, und durch die freiwillige Arbeit habe ich das Arbeitssystem in Deutschland besser kennengelernt. So habe ich nun auf dem deutschen Arbeitsmarkt bessere Chancen. Ich bin froh und zufrieden, dass ich diese einjährige freiwillige Arbeit mache. Nach diesem Jahr weiß ich nun, in welchem Fachbereich ich mein Praktikum absolvieren möchte und in welchem Beruf ich zukünftig arbeiten will.

Aus dem Dari übertragen von Maryam Olfati.

Geschrieben von
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