Nachhaltigkeit ohne Schnickschnack

Foto: Bernhard Schmidt

Gedanken beim Wandern

Ich denke, dass Klimaschutz und Energiewende durchaus leicht sein können – lapidar gesagt. Schließlich lesen sich die meisten Anleitungen zum nachhaltigen Lebensstil doch wie eine Einladung zur Entschleunigung. Sie verlangen keine teuren Anschaffungen oder setzen umfassende Kenntnisse voraus, sondern die Besinnung auf das, was da ist, was immer wieder verwertet und geliebt werden kann.

Einer dieser leichten Wege zur Nachhaltigkeit ist das Wandern.

Vor Jahrtausenden bildete es die Lebensgrundlage der Menschen, mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau geriet es dann immer mehr in den Hintergrund, und heute würde es wohl spontan als unterhaltsame Freizeitbeschäftigung bezeichnet werden.

Die Zahl der Menschen, die jährlich pilgern, wandern, bergsteigen beweist jedoch, dass es mehr als schlichtes Vergnügen ist. Eine Bewegung, die die Menschen in die Natur zieht und dort Wesentliches zur Achtsamkeit lehrt.

Schon die Vorbereitungen für eine Wanderung erziehen zur Enthaltsamkeit: Der Rucksack lässt nicht viel Platz für Schickimicki und auch die Nahrung weckt nicht den Eindruck von Opulenz, sie soll einfach zuzubereiten sein und Energie liefern.

Das erste Eintauchen in Wald, Gebirge, Heide oder Moor dann lässt staunen, erweckt Begeisterung.

Bald auch Ehrfurcht, im Bewusstsein der Vielfalt dessen, was dort vor einem liegt wie auch der Vorsicht, mit der es zu behandeln ist. Denn zum einen zehrt die Wanderung an den körperlichen Kräften und lehrt angesichts der vorliegenden Anstrengung sparsam mit der eigenen Energie umzugehen. Zum anderen wird deutlich, dass fahrlässiges Verhalten in der Natur schnell zu einer echten Gefahr wird – verheerend wie ein Waldbrand, der mit einer einzigen Zigarette begann. Also heißt es, die Natur immer so zu verlassen, wie man sie betreten hat, aufpassen und wegräumen, was dort nicht hingehört. Im Grunde versteht man das bereits, wenn man sich bewusst umschaut und merkt, dass die Landschaft nur dadurch so schön ist, weil jeder respektvoll mit ihr umgeht. Trotzdem lohnt es sich, auch in Wandergruppen zusätzliches Wissen zur Pflege der Umwelt zu erlangen.

Pfadfindervereine begeben sich dafür deutschlandweit mit Kindern und Jugendlichen in die Natur, zeigen ihnen schon im frühen Alter, welche Regeln hier gelten. Sie erwecken die Faszination des Draußenseins, ohne Technik, auf sich selbst und die Gruppe gestellt. Das Wandern wird dann zur Bewegung der Begegnung, Freundschaften werden geschlossen und die eigene Persönlichkeit entwickelt. Häufig tut es nicht nur dem einzelnen, sondern auch der Gemeinschaft gut, denn viele setzen sich für nachhaltige Ziele ein – sammeln Müll, lernen gesund zu kochen, Recyclingprodukte herzustellen und werden politisch aktiv.
Wertvoll sind Ausflüge mit Wandergruppen dabei in jedem Alter. Sie führen raus aus der Routine, aus mancherlei Überfluss oder Bedrückung und durch Entdeckungen in einer grünen Umgebung zu neuen Ideen.

Das Wandern zeigt schließlich auf, wie erholsam es ist, die Dinge einfach zu halten. Nicht mehr aus der Natur zu nehmen, also dort nachwachsen kann und nicht mehr Dinge anzuhäufen, als man selber tragen kann. Prinzipien, die den Ursprung der Nachhaltigkeit bilden und von uns allen umgesetzt werden können – ohne Schnickschnack.

Geschrieben von
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