Zwei Schritte vor und einer zurück

Der lange Weg zur Anerkennung meiner Dokumente – für mich ein großer Schritt in die deutsche Gesellschaft                       

 

Die Geschichte begann direkt, als ich neu in Deutschland ankam. Ich dachte, dass ich mich bald in die deutsche Gesellschaft integrieren würde, meine Uni-Zeugnisse anerkannt würden und ich bald einen Job anfangen würde. Ich glaubte damals, mir bald eine Zukunft aufbauen zu können, ohne zu ahnen, dass mir noch ein langer Weg bevorsteht.

Nach großer Mühe, das Sprachzertifikat zu erlangen, beschloss ich, mein Universitätszertifikat anerkennen zu lassen. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und ging Schritt für Schritt voran.

Bei meinem ersten Termin in der Arbeitsagentur musste ich meinen zuständigen Sachbearbeiter davon überzeugen, dass ich dringend die Anerkennung meiner Universitätsunterlagen benötigte, weil ich in meinem Fachgebiet arbeiten wollte. Der zweite Schritt bestand in der Bestätigung meiner iranischen Studienzeugnisse durch die Arbeitsagentur. Ich habe meine Familie kontaktiert, die nach einem Monat meine Unterlagen zusammen hatte und versenden konnte. Voller Freude ging ich damit ins Job-Center, war aber sofort frustriert, weil neben meinen Zeugnissen auch die Uni-Notenabschrift, das Schulabschlusszeugnis und die Notenabschrift aller Schul- und Studienjahre gefordert wurden. Das war eine Vorschrift, die ich zu befolgen hatte.

Ich rief wieder meine Familie an, die mit großem Aufwand auch diese Dokumente von der Universität und der Schule einholte und mir zuschickte. Mit sämtlichen Unterlagen in der Hand ging ich einen Monat später wieder zur Arbeitsagentur. Dann musste ich als nächstes zum Bildungsberater gehen. Leider hatte der erste Berater aber nur unvollständig über meinen Fall berichtet, was den Bildungsberater nicht überzeugte. Also musste ich meinen Berater wechseln. Jedes Mal wenn ich mit neuem Mut einen Schritt nach vorne springen wollte, wurde ich wieder einen Schritt zurückgeworfen. Nach viel Zeit- und Kraftvergeudung habe ich endlich einen vollständigen Bericht erhalten, womit ich zurück zur Arbeitsagentur ging. Dort mussten meine Unterlagen erst übersetzt werden, was wieder einen Monat dauerte. Letztendlich konnte ich alle Übersetzungs- und Kopiervorlagen meiner Dokumente beim Bürgeramt beglaubigen lassen. Es dauerte einen ganzen Tag, und ich zahlte dafür 60 Euro.

Frischen Mutes habe ich die Unterlagen meinem Sachbearbeiter vorgelegt. Der erwiderte nur, dass das Amt meine Kosten nicht übernähme, weil ich es nicht im Voraus mitgeteilt habe. Ich ließ mich davon aber nicht entmutigen und war sehr froh, endlich einen Schritt weiter zu sein.

Nach diesem ganzen Prozedere musste ich die gesamten Unterlagen noch nach Bonn an die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen der Kultusminister Konferenz schicken. Zum Glück war mir dabei eine sehr nette Frau behilflich, die ich in der Zwischenzeit kennengelernt hatte. Mit ihrer Hilfe erhielt ich nach sechs Monaten dann endlich die Beglaubigung meiner Dokumente, und die Mühsal hatte ein Ende. Wie sehr ich darunter gelitten habe, bis ich endlich das Ergebnis hatte! Jetzt bin ich unglaublich froh, dass meine Dokumente endlich auch in Deutschland anerkannt sind.

Manchmal denke ich heute, dass die Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft unzählige Schritte und Bedingungen voraussetzt. Die versuche ich so gut wie möglich zu erfüllen. Dabei freue ich mich vor allem darüber, dass ich jetzt viele deutsche Freunde habe, die mir bei den ganzen Umständen und Problemen zur Seite standen und mir geholfen haben.

Wenn ich mein Fenster öffne und Passanten lächeln mir zu, oder wenn ich meine Tür öffne und mein Nachbar umarmt mich, sind das Zeichen für mich, dass ich in Deutschland akzeptiert werde und anerkannt bin. Ich freue mich, zeigen zu können, dass ich den Willen habe, in Deutschland akzeptiert zu werden. Wenn ich zur Arbeitsagentur oder zum Einwanderungsamt gehe und Deutsch spreche, oder wenn ich die Kultur und die Regeln Deutschlands berücksichtige und mir Mühe gebe, diese zu befolgen. Das macht mich sehr froh und zuversichtlich.

Der Artikel wurde von Faisal Maandgaar aus dem Farsi ins Deutsche übertragen.

Schlagworte dieses Artikels
, , ,
Geschrieben von
Mehr von Khatereh Rahmani

Khoresht-e-Fesenjan (Ein Schmorgericht in Granatapfel-Walnuss Soße)

Ein Rezept von Khatereh Rahmani Fesenjan ist ein traditionelles iranisches Gericht. Das...
mehr