Nicht wieder zurück!

Bild: Der Flyer einer afghanischen Kampagne in den sozialen Medien richtet sich gegen die Freilassung von 5.000 Taliban-Gefangenen als Teil des Friedensabkommens zwischen den USA und den Taliban

Was das Friedensabkommen zwischen den USA und den Taliban für die Frauen in Afghanistan bedeutet

 

 

 

Mehrere Männer, einige von ihnen bewaffnet, umzingeln eine voll verschleierte Frau, die in eine Grube geworfen wurde. Die Frau sieht ängstlich um sich, denn sie weiß, was diese Männer in wenigen Augenblicken tun würden.

In Paschtu ist eine Stimme zu hören. Ein Mann sagt, sie sei vom Haus ihres Mannes mit einem anderen unbekannten Mann weggelaufen. Deshalb müsse sie laut Scharia gesteinigt werden. Angeblich ist er, der den Tod der Frau angeordnet hat, ein lokaler Taliban-Richter.

Nach ein paar Sekunden ist es für die Frau vorbei. Sie wird unter einem Regen von Steinen begraben, die aus allen Richtungen auf sie geworfen werden. Von Beginn der Steinigung bis zur Beerdigung unter den Steinbrocken ist nur das Jammern und Schreien der Frau zu hören, und die schrecklichen Stimmen der Männer, die mit Vergnügen das Leben eines Menschen nehmen.

Das alles war in einem kurzen Video zu sehen, das aus der Provinz Faryab im Norden Afghanistans stammte und vor ein paar Wochen im Netz veröffentlicht wurde. Das Video zeigte die bittere Realität des Lebens der Frauen unter der Herrschaft der Taliban.

Für die Taliban bedeuten Frauen nicht mehr als Güter für Männer, und ihre  Existenz liegt auch in den Händen der Männer. Und ausgerechnet mit Männern solcher Ideologie haben die USA das sogenannte Friedensabkommen unterzeichnet. Damit sind die Taliban offiziell ein Freund der USA, egal ob sie die Menschenrechte verletzt haben oder verletzen, ob sie Frauen ihrer grundlegenden Menschenrechte berauben und sie öffentlich steinigen. Für die USA war nur eins wichtig: Die Taliban attackieren die USA und US-Amerikaner nicht mehr!

Jetzt machen sich aber die Frauen in Afghanistan viel mehr Sorgen um ihre Zukunft. Sie haben große Bedenken, dass das Spiel um Krieg und Frieden ihnen auch noch ihre relativ wenigen Rechte und Freiheiten nimmt und sie zum Opfer eines Abkommens oder eines politischen Geschäfts werden.

Das Abkommen mit den Taliban hat die Wahrscheinlichkeit auf Rückkehr der brutalen Taliban-Herrschaft in Afghanistan erhöht. Und deswegen sind die Frauen in Afghanistan unruhiger denn je. Weil sie Angst haben, dass Auspeitschen und Steinigungen von Frauen wieder zur Normalität werden.

Die Taliban-Führung betont die Einhaltung der Frauenrechte in Übereinstimmung mit der Scharia. Aber die Interpretation der Scharia durch die Taliban ist, dass Frauen zu Hause bleiben und in der Öffentlichkeit Hijab tragen müssen sowie nicht arbeiten, zur Schule gehen oder studieren dürfen. Nach dieser Interpretation verbleiben für die Frauen keine Rechte mehr. Sie sind nur noch Sklaven der Männer. Das aber darf nicht wieder in Afghanistan passieren!

Die Afghanen haben gemeinsam mit der dort aktiven internationalen Gemeinschaft in den letzten zwei Jahrzehnten viel geopfert, um am Hindukusch Stabilität, Demokratie und Gleichheit zu erreichen, und um Menschenrechte und Frauenrechte in diesem Land zu garantieren.

All diese Errungenschaften sind mit der Rückkehr der Taliban in Gefahr. Die USA wollen raus aus Afghanistan, egal um welchen Preis!

Geschrieben von
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