Persische Hochzeitsbräuche

Einmaleins der Hochzeit im Iran 

Persische Hochzeitszeremonien stammen aus alten zoroastrischen Religionsritualen und können in verschiedenen Regionen des Iran variieren. Eine Hochzeit umfasst traditionell zwei Phasen: die rechtliche und vertragliche Zeremonie oder „Aghd” und das Hochzeitsfest oder „Jashn-e Aroosi“. Lernen Sie hier die klassischen persischen Hochzeitsbräuche von Geschenken und Gold bis hin zu Weihrauch und Delikatessen kennen:

„Bale Boroon“ – Familiäres Ehevorgespräch

Bei dieser Zeremonie versammeln sich die Ältesten der Familie und führen eine freundschaftliche Diskussion. Bei den Abschlussgesprächen werden die Bedingungen für die Hochzeit und für die Ehe beraten. Zu der Zeremonie bringt der Bräutigam der Braut Geschenke mit. In den meisten Städten werden der Braut ein Ballen Stoff, ein Ring und manchmal ein Stück Zucker überreicht.

„Hanna-Bandan-Feier“ – Die Henna-Zeremonie

Die Hanna-Bandan-Feier ist eine Party, die eigentlich eine Abschiedszeremonie für die Braut ist und in der Nacht vor der Hochzeitszeremonie stattfindet. Bei der Zeremonie führen junge Frauen die Braut ins Badezimmer, machen sie zurecht und schmücken sie. Am Ende bringen sie auch Henna auf die Hände der Braut und ihres Bräutigams auf. Und auch Gästen, die am Henna-Abend teilnehmen, wird empfohlen, Henna zu verwenden, um ihre eigenen Hände zu verbergen.

„Mahrieh“ – Das Brautgeld

Im Iran entscheiden im 21. Jahrhundert die meisten Paare eigenständig zu heiraten. Aus Respekt vor der älteren Generation bittet der Bräutigam den Vater der Braut oft symbolisch um die Hand seiner Tochter. Um die Bedeutung und Verantwortung dieses Bündnisses zu demonstrieren, muss der Bräutigam der Braut ein Mahrieh – das Brautgeld – geben, das die finanzielle Absicherung symbolisiert. Die Familie der Braut bittet um das Mahrieh, das vom Eigentum bis zum Bargeld alles sein kann und der Braut im Falle einer Scheidung überlassen wird. Im heutigen Iran hat diese Praxis oft symbolischen Charakter: Es können Geschenke sein, die von Goldmünzen bis zu besonderen Koranausgaben reichen. Das Mahrieh spielt im ersten Teil der Hochzeitszeremonie im sogenannten „Aghd“ oder „Knoten“, dem Vertragsabschluss, eine große Rolle.Während dieser Zeremonie unterzeichnen Braut, Bräutigam und ihre Familien den offiziellen Ehevertrag. 

„Marasem-e Aghd“ – Die Verlobungsfeier

Die Verlobung ist im Iran ein wunderbarer und stimmungsvoller Vorgang. In einigen Städten wird die Predigt gelesen, nachdem die Freundin dem Freund das Ja-Wort gegeben hat. Dann sind sie – so lange sie einander zu Hause besuchen – Verlobte. Später laden sie alle ihre Verwandten und Freunde zur Hochzeitsfeier ein.

„Sofreh-ye Aghd“ – Das Hochzeitstuch

Die „Aghd-Zeremonie“ findet in einem Raum mit einem „Sofreh-ye Aghd“ statt, einem speziellen Tuch, das in Richtung Sonne auf dem Boden nach Osten ausgerichtet liegt. Das Paar sitzt an der Spitze des Tuchs, auf dem häufig folgende Gegenstände zu sehen sind:

  • Goldmünzen, als ein Symbol für Reichtum und Erfolg
  • Eier oder Nüsse stellen die Fruchtbarkeit dar
  • Honig oder Kristallzucker für die Süße im Leben
  • Zwei Kandelaber und ein Spiegel, die Licht und Feuer darstellen. Dieser Teil der zoroastrischen Tradition symbolisiert die Zukunft des Paares.
  • Weihrauch, um den bösen Blick abzuwehren
  • „Noon-e Sangak“, ein Fladenbrot mit dem Segen „Mobaarak-Baad“, dem Segen für die Zukunft.

Während der Zeremonie halten verheiratete weibliche Familienmitglieder ein Kopftuch oder einen Schal über die Köpfe der Braut und des Bräutigams. Der Bräutigam wird einmal gefragt, ob er die Braut heiraten will, während die Braut dreimal gefragt wird, bevor sie antwortet. Diese Tradition soll die Bemühung und die Anstrengung des Mannes um die Gunst der Frau symbolisieren.

„Aroosi“ – Die Hochzeitsfeier

Der Aroosi-Empfang folgt dem Aghd und kann mit Partys und Festen für Familie und Freunde von drei bis sieben Tagen dauern. Dieser Empfang kann jederzeit ab der Vertragsunterzeichnung, dem Aghd, bis zu einem Jahr später stattfinden. Obwohl die Familie des Bräutigams traditionell für die Hochzeitsfeier bezahlt hat, teilen sich heutzutage moderne Paare oft die Kosten. Ähnlich wie bei westlichen Hochzeitsfeiern kann das zeitgenössische „Aroosi“ in einem Haus, Restaurant oder in einer Empfangshalle stattfinden und umfasst Abendessen, Kuchen, Musik und Tanz sowie spezielle persische Traditionen. Das Essen wird traditionell in Buffetform dargeboten und kann viele Gerichte umfassen, darunter „Javaher Polo“, ein Gericht aus Reis, Pistazien, Orangenschalen, Mandeln und Beeren. Die Farben in der Schale bedeuten Juwelen, woher das Gericht auch seinen Namen hat: „Reis mit Juwelen“.

„Pagosha“ – Das Gastmahl

Die Zeremonie findet unmittelbar am Tag nach der Hochzeitszeremonie statt. An der Zeremonie sind normalerweise Familienmitglieder ersten Grades der Braut und des Bräutigams beteiligt. Die Gäste überreichen zu dieser Zeremonie dem Brautpaar ihre Geschenke.

„Mah-Asal“– Die Flitterwochen

In den Flitterwochen verreist das junge Paar. Der Sinn der Flitterwochen ist es, dass sich Braut und Bräutigam aneinander gewöhnen und sich besser kennenlernen. Der Name der Flitterwochen geht auf eine alte Legende zurück. Vor ungefähr viertausend Jahren hatte in Babylon ein Brautvater für den Bräutigam ein Getränk aus Honig zubereitet, das dieser getrunken hat. Daher heißt der erste Monat der Ehe Mah-Asal – Honigmond und im deutschen Sprachgebrauch Flitterwochen.

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