Drahtseilakt – die Balance zwischen Authentizität und Anpassung

Foto: Hareth Almukdad

In den letzten Jahren haben viele Menschen den Weg nach Deutschland gefunden. Die Migrant*innen bringen verschiedene Kulturen mit ins Land, deren Integration in die neue Gesellschaft mit Herausforderungen verbunden ist. Können die Schwierigkeiten der Integration durch Verständnis und Akzeptanz der kulturellen Unterschiede gelöst werden? Dies würde bedeuten, dass man aus einem multikulturellen Problem zu einer neuen Kultur gelangen kann, einer Kultur der Integration der Migrant*innen in die deutsche Gesellschaft.

Die Kultur ist ein Phänomen voller Widersprüche, Gegensätze und Paradoxien. Widersprüche, die ihren Ursprung in der Interaktion der Menschen haben. Im Großen und Ganzen kann man die Kultur als das Verhalten und das physische, ja sogar das geistige und rationale Aufeinandertreffen von Menschen, die auf einem bestimmten geografischen Gebiet und in einer bestimmten Zeit, die wir als Gesellschaft bezeichnen, definieren. Diese Gesellschaft hat die Fähigkeit, ihre Kultur an die nächsten Generationen weiter zu übertragen.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Kultur in der Geschichte einer Gesellschaft verwurzelt ist. Diese Gesellschaft kann in einem kleinen Dorf oder in einem entlegenen Land auf der Erde liegen oder auch in einem Land mit den modernsten Technologien inmitten Europas. Egal, ob es sich um ein kleines unterentwickeltes oder um ein großes entwickeltes Land handelt, hat jedes Land gegenüber verschiedenen Phänomenen seinen eigenen Interaktionsdiskurs und sein eigenes Verhalten, ja sogar seine eigenen spezifischen Andeutungen. All das kann man als Kultur einer Gesellschaft bezeichnen.

Es kann sein, dass es Generationen dauert, bis sich eine spezifische Kultur herausbildet. Aber es kann trotzdem sein, dass die Verhaltenskultur dieser Gesellschaft von anderen Gesellschaften, ja sogar von den nachfolgenden Generationen oder Gruppen derselben Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Dies führt dazu, dass sich diese Kultur mit den modernen Bedürfnissen der Gesellschaft wieder verändert.

Immigration ist eines der Phänomene, die eng mit der Kultur verbunden sind. Die spezifischen Formen und Ausprägungen des menschlichen Lebens und verschiedener Lebensstile ebnen letztendlich den Weg zu einer multikulturellen Gesellschaft. Migration wurde in der Geschichte immer als ein internationales Phänomen akzeptiert. Ein Phänomen, das die Menschen in einer Gesellschaft wegen verschiedener Ereignisse, wie Krieg, Hungersnot, Arbeitslosigkeit, fehlende Arbeitsmöglichkeiten, dazu bewegt, sich für die Auswanderung zu entscheiden und dabei die Probleme der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen in Kauf zu nehmen.

Foto: Hareth Almukdad

Heute können wir Deutschland als ein multikulturelles Land bezeichnen. Dieses Phänomen hat eine einheimische und eine importierte Facette. Es bedeutet, dass einige existierende Kulturen in Deutschland ihren Ursprung in der Geschichte der Bevölkerung dieses Landes haben. Auf der anderen Seite hat der Zuzug von Migrant*innen mit ihren verschiedenen Verhaltenskulturen zu einer multikulturellen Gesellschaft in diesem Land geführt.

Damit gehen drei Phänomene einher: nämlich die Kultur, die Immigration und die Kommunikation zur Herstellung von Beziehungen. Letzteres bedeutet mit anderen Worten Integration. Es ist notwendig, eine Harmonie zwischen den alten und den neuen Kulturen bzw. zwischen den Einheimischen und den Immigrant*innen zu schaffen.

Wenngleich die bloße Gegenwart und das Erscheinen mehrerer Kulturen zu mehr Kenntnis der Bevölkerung über Verhaltensweisen, Diskurse, ja sogar zu Denkweisen anderer Gesellschaften führen, kann es auf der anderen Seite dennoch zu Ablehnung führen und die Beziehungen zwischen Einheimischen und Migrant*innenen erschweren. Die Nicht-Akzeptanz in der Aufnahmegesellschaft könnte letztendlich zu einer ernsthaften Herausforderung für die Integration in die neue Gesellschaft führen. Die Art und Weise, wie man eine neue Kultur kennenlernt und akzeptiert, ist einer der grundlegenden Diskurse, der in verschiedenen Ländern geführt wird. Dazu werden unterschiedliche Möglichkeiten für ein Zusammenleben von Menschen verschiedenen kulturellen Hintergrunds vorgeschlagen.

Das Wichtigste bei diesen Diskursen ist der Respekt des Grundsatzes der Gleichheit. Dies bedeutet, dass die Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Religion und Nationalität vor dem Gesetz gleich sind und niemand das Recht hat, sich über sie zu stellen. Die Einheimischen wie die Zugezogenen in einer Gesellschaft sind wie Glieder einer Kette.

Sie brauchen ein Verbindungsstück, eine Interaktion. Allerdings sind Migrant*innen zu Anfang aufgrund der Probleme, mit denen sie in der neuen Gesellschaft konfrontiert sind, mehr von dieser Interaktion abhängig. Dies kann mit einem einfachen Kontakt, einem Gespräch, ja sogar mit einem Lächeln erreicht werden. Vielen Migrant*innen gelingt es heute mit der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, wie Sportwettbewerben, Festen und Jahresveranstaltungen, sich bis zu einem gewissen Grad in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Viele konnten bereits entsprechend ihrer Fähigkeiten eine Anstellung auf dem deutschen Arbeitsmarkt finden. Sie haben auf diese scheinbar einfache Weise einen großen Schritt in Richtung Integration in die deutsche Gesellschaft genommen.

Dieser wichtige Schritt kann mit Respekt und Verinnerlichung der neuen Verhaltens- und Diskurskultur erleichtert werden. Mit anderen Worten, die Aufnahme der Migrant*innenen kann von der deutschen Gesellschaft erleichtert werden, wenn sie sich an die Verhältnissen und Gegebenheiten der deutschen Gesellschaft anpassen. Somit kann man noch einmal betonen, dass die Kultur als eine Brücke eine wichtige Rolle in diesem Integrationsprozess spielen kann.

 

Ins Deutsche übertragen von M. Schams, Parsi Sprachendienste

 

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