Weibliche Genitalverstümmelung

Foto: Hareth Almukdad

Stopp FGM (Female Genital Mutilation)!

 

In einigen afrikanischen und arabischen Ländern, darunter Ägypten, der Sudan und Somalia, herrscht eine weit verbreitete Tradition: die weibliche Genitalverstümmelung. Dabei werden bei jungen Mädchen im frühen Alter die Genitalien beschnitten und verstümmelt. Manchmal wird die Beschneidung auch erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben durchgeführt, nämlich eine oder wenige Wochen vor der Hochzeit. 

Diese Tradition hat keinerlei religiösen Hintergrund, sondern ist rein sozio-kulturell bedingt: Mit ihr soll die Jungfräulichkeit der Mädchen erhalten werden. Die Mädchen sollen also für ihren Ehemann Jungfrau bleiben, und das, obwohl mittlerweile die meisten Männer keine beschnittenen Frauen mehr ehelichen möchten, da die Beschneidung sehr häufig Probleme im späteren Intimleben nach sich zieht.

Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt die weibliche Genitalbeschneidung als einen für die betroffenen Frauen und Mädchen körperlich und psychisch folgenschweren Eingriff, bei dem die weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen verstümmelt werden.

Erschreckenderweise wird die Genitalverstümmelung auch in Deutschland unter Flüchtlingen und Migranten praktiziert. Laut einer Untersuchung, die von der Bundesministerin für Frauen und Familien, Franziska Giffey, im Juni letzten Jahres vorgestellt wurde, sind rund 68.000 Mädchen in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Obwohl es hierzulande ein Gesetz gibt, das eine derartige Praxis verbietet und sie unter Freiheits- und Geldstrafe stellt, wird sie dennoch im Geheimen betrieben. So geschehen beispielsweise im Berliner Bezirk Neukölln, wo einem sudanesischen Arzt das Handwerk gelegt wurde, nachdem er in seiner Praxis Mädchen beschnitten und pro Eingriff 1.000 Euro kassiert hatte. Oder in Wolfsburg, wo ein somalischer Arzt ebenfalls aufgrund solcher Eingriffe festgenommen und zu einer Haft- sowie Geldstrafe verurteilt wurde. 

Bedauerlicherweise gibt es auch einige Frauen, die mit ihren Töchtern in ihre Herkunftsländer reisen, um dort die Genitalbeschneidung durchführen zu lassen. Zurück in Deutschland, dauert es dann nicht lange, bis dieser Eingriff bei einer ärztlichen Routineuntersuchung aufgedeckt wird – oder spätestens beim Auftreten einer Entzündung im Intimbereich, anderer Erkrankungen wie Inkontinenz und Abszesse oder bei der Entbindung. Manche jungen Frauen, bei denen eine Genitalverstümmelung durchgeführt wurde, haben gerade zu Beginn ihres Ehelebens infolge der Beschneidung mit Komplikationen zu kämpfen. Die Genitalverstümmelung ist außerdem einer der Hauptgründe, weshalb junge Frauen, aber auch Mütter, die mit der Beschneidung ihrer Töchter nicht einverstanden sind, aus ihren Ländern flüchten. Sie sind dort einem derart großen familiären Druck ausgesetzt, sich an diesen Brauch zu halten, dass ihnen keine andere Wahl bleibt, als ihr Land zu verlassen und in Europa um Asyl zu ersuchen. 

Es gibt aber auch Zeichen der Hoffnung, dass die Praxis der Genitalverstümmelung eines Tages aufhört und die Medizin imstande ist, deren gravierende Folgen einzugrenzen. Zum einen gibt es in Deutschland innerhalb der Migranten-Community einige Aktivist*innen und auch Ärzt*innen, die wichtige Aufklärungsarbeit in Sachen Genitalverstümmelung leisten. 

Zum anderen macht es Mut, dass sich Frauen, die von Genitalverstümmelung betroffen sind, in Deutschland kostenlos behandeln lassen können. Das Desert-Flower-Zentrum im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf bietet zum Beispiel intensive medizinische und psychologische Betreuung. 

Darüber hinaus hat die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zum Tag gegen weibliche Genitalbeschneidung Anfang Februar 2021 einen „Schutzbrief“ für Mädchen und Frauen vorgestellt, der eindringlich vor Beschneidungen warnt und die gesetzlichen Strafmaßnahmen erläutert. Er wird gerade noch in unterschiedliche Sprachen übersetzt. 

Im Einklang mit dem, was Mediziner und Anwälte in Deutschland schon lange fordern – nämlich endlich mit dieser Praxis aufzuhören –, bleibt abschließend nur zu hoffen, dass dieser grausame Brauch bald der Vergangenheit angehört. 

 

Ins Deutsche übertragen von Melanie Rebasso

Geschrieben von
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