Corona in Japan

Foto: Eri Inaba

 

von Eri Inaba

Japan atmet auf 

Am 17. Februar 2021 hat Japan endlich mit der Impfung gegen das Covid-19 Virus begonnen, zwei Monate später als Europa und die USA. Der Impfstart verzögerte sich, weil neue Impfstoffe – auch das Vakzin von Pfizer und BioNTech – erst an der eigenen Bevölkerung getestet werden. Zuerst wird medizinisches Personal geimpft. 

Im Dezember stieg die Zahl der mit Corona infizierten Personen rapide an und betrug Anfang Januar rund 8.000 Personen pro Tag. Deshalb wurde ein zweiter Ausnahmezustand ausgerufen.  Bis Mitte Februar konnte die Zahl der Infizierten kontinuierlich auf rund 1.300 Personen und ca. 80 Todesfällen pro Tag gesenkt werden.

Menschen ohne Maske sind in Japan kaum zu sehen. In den meisten Geschäften stehen alkoholische Desinfektionsmittel bereit und die Kunden desinfizieren sich die Hände wie eine Art neuer Etikette. Eine große Erleichterung besteht darin, dass PCR-Tests, die bislang in Gesundheitszentren nicht erhältlich waren, jetzt auch in Drogerien für etwa 15.000 Yen (ca. 120 Euro) gekauft werden können. Wer einen PCR-Test in einem Krankenhaus durchführen lassen möchte, zahlt sogar nur noch ca. 2.000 Yen pro Test (rund 16 Euro), was bisher sehr viel teurer war. 

Ein großes Problem bleibt die Überlastung der japanischen Nahverkehrszüge zu den morgendlichen Hauptverkehrszeiten. Während sie vor dem Ausbruch des COVID-19 Virus bei 200 % lag, beträgt sie in der Corona-Zeit etwa 120 %. Die Züge sind also immer noch überfüllt. 

Ein weiteres Problem in Japan ist die steigende Rate an Selbstmorden. Laut einer Bekannten, die im Rettungsdienst arbeitet, gibt es jetzt mehr Selbstmorde als Menschen, die an Corona sterben. Die Zahl lag 2019 um 3,7 % höher als im Vorjahr. 

Während im ersten Ausnahmezustand (von Mitte April bis Ende Mai 2020) alle Schulen, Geschäfte und Restaurants landesweit geschlossen wurden, sind diesmal nur 11 Präfekturen – darunter Tokio und Osaka – betroffen. Restaurants sind weiterhin geöffnet, müssen aber um 20:00 Uhr schließen. Die Schulen wurden dieses Mal vollständig ausgenommen. 

So kann auch unsere Sprachschule offen bleiben. Seit dem Juni 2020 führen wir Hybrid-Unterricht durch. Fast die Hälfte unserer Schüler nimmt jetzt in der Corona-Zeit online am Unterricht teil. Leider können wir diese Online-Schüler nicht mehr persönlich treffen und nicht mehr direkt miteinander sprechen. Einige Teilnehmer hatten deshalb noch nie die Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen. Vorher konnten wir die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden immer direkt in der Pause oder nach dem Unterricht hören und gemeinsam Maßnahmen finden, um Unzufriedenheit vorzubeugen. Das ist jetzt viel schwieriger geworden.  

Obwohl die Anzahl der Personen, die online Unterricht möchten, zunimmt, wünschen sich viele Teilnehmende, dass wir in der Schule auch Face-to-Face-Unterricht anbieten.

Durch die Online-Formate haben wir einerseits viele verschiedene neue Möglichkeiten erhalten. Aber gleichzeitig haben wir die Gelegenheit verloren, persönlich mit den Teilnehmern zu sprechen. Selbstverständlich können wir per E-Mail, Telefon oder per Video online kommunizieren. Aber es ist doch anders, als persönlich zu sprechen. Ich denke, das wird erhebliche Auswirkungen auf unsere Zukunft haben.

 

Der Beitrag wurde von Eri Inaba in deutscher Sprache verfasst.
Sie leitet das Deutsche Sprachkolleg Heidelberg in Tokyo.

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