Ein Lichtblick der Hoffnung

Fotos: Yasemin Azizi

 

von Layla Qandahari

Eine afghanische Malerin kämpft um Anerkennung

„Das Malen ist für mich ein Lichtblick der Hoffnung, um meine Sorgen und Einsamkeit hinter mir zu lassen.“ Nasrin Mohammadi, 36 Jahre, aus Afghanistan, lebt als Malerin im Iran und hat viele Bildkollektionen kreiert. Eine davon trägt den Namen „Der Schatten“, und ist, wie sie es beschreibt, eine Allegorie auf die schwierige Situation während ihrer Flucht mit ihrer Tante aus Afghanistan, die sie im Alter von fünf Jahren in den Iran gebracht hat.

Die Künstlerin verarbeitet in ihren Bildern den Angriff auf die afghanische Kultur durch die Taliban.

„Wir begaben uns mit tausenden anderen afghanischen Landsleuten auf die Suche nach einer Sicherheit, die wir nicht gefunden haben.“ Die Künstlerin erklärt, dass ihre kindlichen Malereien ihr Kraft zum Ertragen der Trennung von ihrer Familie und von der Einsamkeit gegeben haben. „Ich habe immer meine eigene Kindheit gemalt und wusste, dass all die Erlebnisse einer realen Welt, die mich belasten und bedrücken, in der bunten Welt der Farben nicht existieren.“ Der einzige Fluchtort zum Entrinnen aus den realen Problemen war für das Kind die Welt der Farben. „Eine Welt, in der niemand mit mir konkurrieren konnte. In der Farbenwelt waren die Menschen für mich lebendig, nah beisammen und sorgenfrei.“

Als Nasrin sieben Jahre alt wurde, kamen auch ihre Mutter und die Brüder in den Iran. Ihr Vater blieb weiterhin in Afghanistan, um ihre Lebensunterhalts- und Schulkosten zu verdienen. Er arbeitete als Beamter bei der Passbehörde in der Stadt Herat und war nebenbei auch freischaffend tätig. „Jedes Mal, wenn ich mich an mein Spielzeug im Elternhaus erinnerte, malte ich mit meinem Bleistift auf der Schulbank und wenn ich sehr traurig war und Sehnsucht nach der Stimme meines Vaters bekam, griff ich umso entschlossener nach dem Stift.“

„Exil ist so etwas wie Opium. Es lindert den Schmerz, jedoch merzt es ihn nicht aus. Das Fehlen des Vaters und seine spätere schwere Arbeit für unser Überleben im Iran hinterließen in meiner Seele als Frau eine tiefe Wunde.“ Einige Jahre später kam auch ihr Vater zu ihnen.

Die Bilder von Nasrin Mohammadi aus der Serie Sayeh (Schatten) symbolisieren die vermeintliche Unreinheit einer unverschleierten Frau.

Nachdem es Nasrin wegen ihrer afghanischen Herkunft nicht ermöglicht wurde, an der Kunstschule zu lernen, begann sie bei einem Meister namens Arbab in der Stadt Mashhad Unterricht zu nehmen. Später arbeitete sie als eine Meisterin des Faches mit ihrem Lehrer zusammen. „In meinen Lehrjahren entwickelte ich mich trotz aller widriger finanzieller und sonstiger Umstände immer weiter und lernte auch andere Maler und Künstler kennen. Ich bildete mich immer weiter und kam unbewusst zu Dichtung, Mystik und Psychologie.“

Nasrin berichtet, dass ihre Anschauung einen unmittelbaren Einfluss auf ihre Werke hat und eine Trennung ihres Charakters von ihren Werken nicht denkbar sei. Sie sagt, dass je tiefsinniger ein Maler ist, desto authentischer seine Werke sind. „Ich muss sagen, dass nicht die Popularität meiner Werke, sondern deren Authentizität für mich maßgebend waren und aus diesem Grund wählte ich einfach einen Namen, ohne an den Verkauf und die Verbreitung meiner Werke zu denken. Ich orientierte mich an der Zeit meiner Kindheit, einer Zeit, in der alle meine Arbeiten erstaunlich unverfälscht waren.“ Sie beschreibt den Eindruck ihrer Werke auf die Betrachter*innen als sehr eindringlich, weil sie sich nicht aus oberflächlichen Elementen zusammensetzen, sondern eine tiefsinnige malerische Komposition bilden.

Nasrin Mohammadi hat trotz ihrer meisterhaften Professionalität noch keine Gelegenheit und Genehmigung bekommen, ihre Gemäldekompositionen in der Islamischen Republik Iran auszustellen. Ein Grund dafür sind ihre meist unverschleierten Frauengesichter. Im Jahr 2020 war eine Ausstellung ihrer Werke in Hamburg geplant, die bedauerlicherweise wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, weshalb ihr auch kein Visum erteilt wurde. Die afghanische Künstlerin arbeitet und wirkt nach wie vor im Iran. Auch wenn ihr dort die offizielle Anerkennung verweigert wird, kann sie durch den Verkauf ihrer Werke zumindest sich und ihre Familie ernähren.

 

Ins Deutsche übertragen von Mohammad Schams, Parsi Sprachendienste

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