Home-Schooling – Drei Geräte, fünf Personen – wie geht das?

Fotos: Hareth Almukdad

Seit mehr als einem Jahr hat das Corona-Virus die Welt im Griff. Die Länder der Welt haben unterschiedlich auf die Verbreitung des Virus reagiert. In Deutschland haben wir zwei Mal einen harten Lockdown erlebt, um die Zahl der Infizierten unter Kontrolle zu bekommen. Die Restaurants, Hotels, Geschäfte sind seit langem geschlossen. Aber auch die Kitas und Schulen haben dichtgemacht, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Das hat auch funktioniert und die Zahl der Infizierten reduzierte sich in Deutschland von Tag zu Tag.
Der Unterricht fand nur online oder durch Erledigen der Aufgaben zu Hause statt, was viel mehr Aufmerksamkeit erfordert und auch entsprechende Ausstattungen benötigt.
Der Lockdown hat alle Menschen betroffen. Insbesondere die Kinder haben sehr darunter gelitten. Flüchtlingskinder waren jedoch am stärksten davon betroffen. Sie leben oft noch mit ihren Familien im Flüchtlingswohnheim, wo es meistens kein Internet gibt und es fehlt ihnen auch an der benötigten Ausstattung wie einem Rechner oder PC.
Familie Hadid* ist eine von diesen Familien. Die fünfköpfige Familie lebt seit vier Jahren in Berlin und verfügt seit acht Monaten über einen Aufenthaltstitel. Zusammen wohnen sie in einem Wohnheim für Geflüchtete in Marzahn und teilen sich dort eine Zwei-Zimmer-Wohnung.
Die Mutter und der Vater der Familie müssen täglich vier Stunden an einem Online- Sprachunterricht teilnehmen. Gleichzeitig haben auch die Kinder täglich Schulunterricht online. Da die Kinder in unterschiedliche Schulen und Klassen gehen, überschneiden sich die Unterrichtstunden meistens. Als Ausstattung haben sie aber nur ein Laptop und zwei Tablets, die die Schule den Kindern zur Verfügung gestellt hat. Nun muss fast immer jemand dem Unterricht fernbleiben. Vor allem die Eltern können wegen der fehlenden Geräte kaum an ihrem Unterricht teilnehmen.

Mahsa, die ältere Tochter der Familie, die dieses Jahr eine Abschlussklasse besucht und am Ende des Schuljahres ihre MSA-Prüfung abzulegen hat, sagt: „Heutzutage funktioniert ein normales Leben ohne Internet nicht! Umso schwieriger ist es jedoch, wenn man in Quarantäne ist und alles online erledigen muss.
Aber wie soll das alles funktionieren, wenn wir im Wohnheim kein Internet haben dürfen?“ Sie hatte sich sehr darüber gefreut, dass ihre Eltern endlich einen Integrationskurs besuchen dürfen und die deutsche Sprache lernen können. „Mein Vater und meine Mutter sind aber jetzt wieder zu Hause ohne Unterricht, denn die Geräte reichen nicht für alle!“ Denn leider reicht das Datenvolumen vom Handy nicht für alles aus, ergänzt sie noch.
Oft sind sie verpflichtet, einen Kurs zu besuchen. „Es ist nicht so, dass wir nicht wollen, sondern wir können nicht am Unterricht teilnehmen. Wir sind ratlos“, sagt Nasir, der Vater der Familie.

Geschrieben von
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