Editorial – Seelennahrung Kunst

Auch diese Ausgabe ist geprägt durch die Corona-Zeit mit Themen wie Abstand, fehlende Nähe und Berührung, aber auch den fehlenden Begegnungen mit der Kunst. Weil wir die Kunst so sehr vermissen, haben wir sie in dieser Ausgabe ganz besonders die Kunst im Blick. 

In den Beiträgen geht es zum einen um eine Analyse der wesentlichen Unterschiede in der Kunst zwischen Orient und Okzident. Zum anderen zeigen wir eine Synthese der japanischen Gedichtart Haiku. Als kürzeste Gedichtart der Welt stellt es einen konkreten Bezug zur Gegenwart her. Das funktioniert auch im Arabischen ganz wundervoll und behält selbst in der deutschen Übersetzung seine Logik und seinen Reiz.

Wir berichten über den Kampf der afghanischen Malerin Nasrin Mohammadi, einerseits um Anerkennung als Frau im Iran, andererseits gegen die Schatten ihrer Vergangenheit als Geflüchtete, für eine Sicherheit, die es nicht gab. Für sie ist das Malen ein Lichtblick der Hoffnung. Auch Osman Sana und Kesanet Abraham beschäftigen sich mit den Schatten der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hineinragen mit Gedichten zur Flucht und der Kritik an der politischen Lage, die jeweils auch mit einer gewissen Apathie einherzugehen scheint. 

Dem gegenüber steht das Portrait der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid, die sich mit ihren utopischen Bauwerken der Zukunft verschrieben hatte und es zu internationaler Anerkennung brachte.  Andere Wege geht auch das Ansan-Ensemble mit Musik, die aus Israel und Indien ebenso beeinflusst ist wie durch Rock, Blues und Jazz. Der Leiter des Ensembles, Siamak Moghaddam, gab uns beim Frühlingsfest im kulturTÜR-Salon eine wundervolle Kostprobe auf seiner Langhalslaute. 

Im zweiten Teil des Magazins stehen gesellschaftliche Themen im Vordergrund wie eine demokratische Erziehung und was das für manche geflüchtete Menschen bedeutet. Dabei macht Hareth Almukdad auch deutlich, dass die Eingliederung in die Gesellschaft nicht nur mit Pflichten, sondern unbedingt auch mit gleichen Rechten einhergehen muss. Sakina Hanafi erläutert in ihrem Artikel, warum weibliche Genitalverstümmelung auch in Deutschland ein relevantes Thema ist. Rania Joha weist auf die Gefahren des Mobbing bei Kindern hin und zeigt auf, wie Eltern dagegen vorgehen können. Somayeh Rasouli fragt sich, warum Pflegekräfte in Deutschland so wenig Anerkennung genießen, wo sie doch – gerade jetzt – so dringend gebraucht werden.  Und nicht zuletzt zeigen wir auch in dieser Ausgabe wieder, wie andere Länder mit der Pandemie umgehen.     

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Aha-Momente beim Lesen!

Ihre kulturTÜR-Redaktion

 

Das Titelbild zur Ausgabe “Seelennahrung Kunst” (1+2 2021) zeigt die syrische Bildhauerin Boshra Mustafa in ihrem Atelier in Berlin. Seit Anfang 2021 ist sie im Team der kulturTÜR. Das Foto ist von Hareth Almukdad.

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Geschrieben von
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