Ein trauriges Bild

Grafik: Fadi Zyada

 

Ein Skelett,
für eine Mumie habe ich es gehalten,
von Archäologen entdeckt.
Für einen Baumstamm,
den das Schicksal dem Nichts überlassen hat.

Meine Augen wollen es nicht glauben –
doch es ist ein Bild aus meinem Land.
Ich trauere.
Ich rufe und rufe:
Ist dies der Krieg in meinem Land?
Und ich fange an zu weinen.

Wonach rufe ich?
Das Gesicht eines Kindes,
ein Schädel nur noch.
Ich wünschte, ich hätte es nie gesehen
und wäre besser gestorben.

Oh, ihr Kinder meines Landes.
Oh, ihr Menschen hinter Gittern.
Oh, seid gewiss,
auf die Sonne folgt die Dunkelheit.
Ihr Schatten breitet sich aus.
Das Einzige, was ich weiß:
Wir sind in der Heimat der Araber,
und ich schweige

Jahre über Jahre
falsche Behauptungen.
Ich höre das Kind sagen:
Ich sterbe vor Hunger.
Ich sterbe vor Hunger.
Nein, ich bin schon tot, bevor ich sterbe.
Ich wünschte, ich hätte es nicht gehört,
und wäre besser gestorben.

Das Bild des Kindes vor meinen Augen sagt:
Ich wünschte, ich wäre nie geboren worden.
Ist das gerecht?
Ich bin müde.

Das Bild des Kindes vor meinen Augen sagt:
Schluss mit dem Krieg –
rettet mein Land.
Schluss mit dem Krieg –
rettet mein Land.
Wir sind müde.
Ich bin müde.

 

Osman Sana
(Das Gedicht hat er im Januar 2016 verfasst.)

Ins Deutsche übertragen von Melanie Rebasso

 

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