Vision von Asmara …

 

 

Eine zufällige Liebe.
Keimt sie, oder keimt sie nicht?
Einzig Gott, der Schöpfer, weiß es. …

Überraschend und überhastet
eine Verbindung über die Ferne hinweg.

„Bestimme du den Ort unseres Treffens.
Wo soll es sein?
Das erste Treffen –
selbst wenn es die Hölle ist,
ich bin bereit.“
Welch eine Kraft der Liebe!

„Ort der Begegnung soll Asmara sein“,
teile ich ihr mit.
Wenn es das Paradies gibt,
wieso die Hölle?
„Raum für Menschlichkeit und Liebe“,
rufe ich.

Erschrocken ist sie!
Aber, statt die Hölle zu beschreiten,
bevorzuge ich das Paradies.

„Wissend schleppst du mich in ein Verlies?
Begehrst du mich nicht?
In eine Notlage versetzt du mich!“
Verärgert ist sie –
und akzeptiert es nicht.

Längst hat sie alles vergessen:
wie sie das Meer und die Wüste durchquerte!
Zum Glück hat sie es vergessen –
ihre Erlebnisse.
Schmerz heißt, nicht zu vergessen.
Man verrottet im Leid.

„Erschrecke dich nicht,
ob in der Not oder in Überfluss“
sagte ich.
Doch verstand sie es nicht…
… die Vision von Asmara.

Ich wiederhol‘ es für sie
bis sie sieht wie schön sie ist.

 

 

Ins Deutsche übertragen von Kesanet Abreham und Tesfu Kidane

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