An erster Stelle steht die Sprache

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Was wichtig ist, um in Deutschland zu arbeiten

Meine Interview-Partnerin Sana ist eine junge Frau aus der Stadt Schiraz im Iran, die durch ein Ausbildungsvisum allein nach Deutschland gekommen ist. Sie ist 20 Jahre alt und lebt in Nordrhein-Westfalen, wo sie eine Ausbildung als Krankenpflegerin begonnen hat.

Was hast du im Iran gemacht?

Als ich in Schiraz die Schule beendet hatte, habe ich an der dortigen Universität Krankenpflege studiert. Nach einem Jahr dort habe ich mich für das Studium in Deutschland entschieden.

Was hat dich dazu bewogen, dein Land zu verlassen?

Während der Corona-Pandemie hörte ich viel von Deutschland. Auch, dass das Land weltweit auf der Suche nach Fachkräften ist, insbesondere im Gesundheitsbereich. Eine Bekannte empfahl mir, ich solle doch mit einem Ausbildungsvisum nach Deutschland gehen. Bisher hatte ich keinerlei Interesse daran, mein Land zu verlassen. Aber nun entschloss ich mich doch dazu und begann mit der Vorbereitung.

Wie bist du dann vorgegangen? 

Am Anfang hatte ich keine Ahnung, was zu tun ist. Die Webseite der Botschaft war auch nicht besonders aufschlussreich. Ich war mir auch gar nicht so sicher, ob es überhaupt klappen würde. Eine große Herausforderung war die Sprache. Ich hatte wenig Zeit, weil die Ausbildung schon bald anfing. Dann habe ich es doch geschafft, in kurzer Zeit einen Sprachkurs zu machen, und begann auch gleich Bewerbungen zu schreiben.

Wie hast du das gemacht? Hat dich jemand dabei unterstützt? 

Ich habe täglich recherchiert, Informationen gesammelt und deutschlandweit nach Adressen von Ausbildungsstätten gesucht. Parallel dazu habe ich einen ansprechenden Lebenslauf erarbeitet, was sehr zeitaufwendig war.
Dann habe ich E-Mails an diverse Kliniken und Krankenhäuser geschrieben. Leider hatte ich wenig Erfahrung und mit meinem bisschen Deutsch bin ich nicht sehr weit gekommen. Schlussendlich bat ich eine in Deutschland lebende Freundin um Hilfe. Die hat sich netterweise sehr für mich engagiert und fand schließlich in ihrer Stadt eine Klinik, die bereit war, ein Interview mit mir zu führen. Das war für mich ein großer Glücksfall, und ich habe mich riesig gefreut. 

Wahrscheinlich warst du vor deinem Online-Interview sehr aufgeregt, oder? 

Am Tag des Interviews war alles chaotisch, und ich war völlig konfus. Die Anwendungssoftware für das Interview funktioniert im Iran nicht, so dass wir das Interview nicht damit führen konnten. Aber die Sachbearbeiterin war eine sehr empathische Frau und versuchte, mich zu beruhigen. Sie verband mich via WhatsApp mit der zuständigen Person. Diese hat mir zwar empfohlen, den B2-Kurs zu absolvieren. Ich hatte zu dieser Zeit gerade mal B1 erreicht. Aber schließlich hat sie mir zugesagt, dass ich bei ihnen anfangen kann. Insgesamt war es dennoch ein schrecklicher Tag für mich.

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Welche Herausforderungen hattest du nach deiner Ankunft in Deutschland zu meistern?

Am Anfang war für mich alles seltsam, weil ich trotz der Sprachkurse die Sprache noch nicht richtig konnte. Da war ich manchmal sehr niedergeschlagen. Kaum war ein Monat vergangen, begannen die Prüfungen. Diese Zeit war für mich die schwerste Phase meines Lebens. Ich war unendlich verzweifelt und wusste nicht, ob ich diese Hürde bestehen würde. Mir ging es zu jener Zeit wirklich sehr schlecht. Das Erlernen der schweren Sprache, die Erledigung von behördlichen Formalitäten, verbunden mit vielen Behördengängen, zwischendrin auch noch ein Umzug, und das alles gleichzeitig …

Wie beschreibst du deine ersten Arbeitstage in Deutschland?

Neben den normalen Schwierigkeiten mit der Verständigung kamen noch die fachlichen Inhalte und Begriffe hinzu. Ich hörte Fachwörter, mit denen ich gar nichts anfangen konnte. Da ging es um Krankheiten, Medikamente und Sonstiges, das vielleicht auch Muttersprachler/innen gar nicht kennen. Mein Selbstbewusstsein und meine Sicherheit hatte ich völlig verloren. Aber je mehr ich meine Umgebung kennenlernte und je besser ich Deutsch gesprochen habe, desto besser ging es mir wieder. Wenn ich jetzt mit meinen Ausbildern spreche, bekomme ich mit, dass meine damalige Aufregung den Umständen entsprechend normal war und sie mit meiner Leistung voll zufrieden waren.

Hast du einen Ratschlag für die, die deinen Weg einschlagen wollen?

An erster Stelle steht die Sprache! Je mehr sie lernen und die Sprache beherrschen, umso weniger werden sie bei der Ausbildung und Arbeit Stress haben. Meine Sprachkenntnisse sind durch die Arbeit und das Leben in der deutschen Gesellschaft jedenfalls von Tag zu Tag besser geworden. 

 

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: فارسی (Persisch)

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