„Sich nach dem Baden im Dreck wälzen“

Hareth Almukdad

Wenn Geflüchtete zu ihrer Botschaft geschickt werden

Ich war früh aufgestanden, denn ich hatte um sieben Uhr eine Termin zur Verlängerung meines Aufenthaltstitels. Das Landesamt für Einwanderung (ehemals Ausländerbehörde), bei dem ich meinen Termin hatte, war nicht weit entfernt. Deswegen fuhr ich mit dem Fahrrad.

Vor dem Hof des Amtsgebäudes standen schon mehrere Personen in Schlangen. Da ich einen Termin hatte, war ich nicht besorgt. Zwei Wachmänner standen vor dem Eingang.

Ein Wachmann erklärte mir, dass Personen mit Einladung sich links anstellen können. Also reihte ich mich in die linke Schlange ein, zeigte meinen Einladungsbrief und durfte hinein.

Menschen aus der ganzen Welt durchlaufen dieses Verwaltungsgebäude. Es ist unterteilt in drei Zuständigkeitsbereiche: A, B, C. Ich musste zum Verwaltungsbereich C. Als ich dort auf den Aufruf meiner Nummer wartete, kam ein Bekannter aus meinem Land aus einem der Büros und grüßte mich. Ich las in seinem Gesicht, dass er wohl mit der Behörde Schwierigkeiten und offenbar keinen Erfolg mit seinem Anliegen hatte. Dennoch fragte ich, ob er bekommen habe, was er wollte. Sichtlich bedrückt gab er mir zur Antwort, dass er beauftragt worden sei, zur eritreischen Botschaft zu gehen und von dort eine Bescheinigung zu holen, dass er tatsächlich Eritreer sei.
Ich erschrak. Ist das nicht, als wenn man sich nach dem Baden gleich wieder im Dreck wälzen soll? Wir werden zum Verursacher unserer Wunden und Narben geschickt? Das ist doch unvorstellbar!
Meine Nummer erschien auf dem Screen. Schnell sprach ich meinem Landsmann noch Mut zu, verabschiedete mich, und ging in das entsprechende Büro.

Mir erging es nicht besser. Denn auch zu mir wurde gesagt, dass ich zu meiner Botschaft gehen und von dort eine Identitätsbescheinigung holen solle. „Aber ich war minderjährig, als ich das Land verließ!“, machte ich den
Beamten darauf aufmerksam, dass deshalb für mich auch keine Identitätsunterlagen vorlägen. Aber es half nichts.

Ins Deutsche übertragen von
Kesanet Abraham und Tesfu Kidane

Geschrieben von
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