Open Music School

In der Open Music School (OMS)* kommen Menschen zusammen, um ein Instrument zu lernen und ihre Erfahrungen miteinander auszutauschen. Dabei finden sie zusammen und werden Freunde. Das Besondere an der OMS ist, dass kostenloser Unterricht angeboten wird. Ich habe dort Gitarre spielen gelernt und war so begeistert von der Schule, dass ich sie im Gespräch mit einer Mitschülerin und dem Leiter der Schule gerne vorstellen möchte.

Hareth Almukdad
Elizabeth ist bereits seit dem Früh- ling 2018 bei der Open Music School. Im Interview erzählt sie von ihren Er- fahrungen und Erlebnissen. Foto: Kesanet Abraham

Hallo Elie, wie bist du zur Open Music School gekommen?

Ich wollte unbedingt Gitarre lernen, weil mein Bruder Gitarre spielt, und das fand ich immer schon toll. Ein schönes Instrument. Dann hatte mir mein Bruder zu Weihnachten eine Gitarre geschenkt. Er ist echt ein netter Bruder. Und dann hat er mir gesagt, jetzt müsse ich liefern … (Wir lachen beide.) Ja und dann habe ich meinem Tanzpartner davon erzählt. Der hat mich auf die Open Music School aufmerksam gemacht und gesagt, dass sein Bandkollege dort Unterricht gibt. Er schrieb mir die E-Mail-Adresse von Tom, dem Hauptverantwortlichen, auf, und der hat mir gleich geantwortet, wann der Gitarren-Unterricht stattfindet. Sobegann die Geschichte.

Wir befinden uns gerade in der Pandemie. Davon ist auch die Open Music School stark betroffen. Welche Erinnerungen hast du an die Zeit davor?

Ich habe natürlich angefangen, weil ich Gitarre lernen wollte, und ich bin eigentlich nicht mit größeren Erwartungen hingekommen. Dann habe ich aber erfahren, wie viel Spaß man haben kann, wenn man zusammen in einer Gruppe Musik macht. Das ist das, was mich motiviert hat, jeden Montag hinzugehen.

Und dabei hast du auch wirklich was gelernt?

Ja, wirklich. Auch wenn der Fokus eher auf der Community lag; also einfach zusammenkommen über die Musik. Klar haben wir da auch zusammen gelernt. Vielleicht könnte man auch mehr lernen, wenn man Einzelunterricht nehmen würde oder sich auf YouTube ganz ambitioniert Videos anguckt oder mit Büchern übt.

Das stand aber nicht so im Vordergrund, sondern eher die Gruppendynamik, was mich auch begeistert hat. Das fehlt mir jetzt in der Corona-Zeit total. Man merkt schon, dass nichts mehr so ist wie vorher. Die Open Music School macht das aber super mit der Option über Zoom. Ich habe auch am Online-Unterricht teilgenommen, auch wenn es nicht das Gleiche ist, weil die persönliche Begegnung fehlt. Zwischendurch hatten wir ja auch persönlichen Unterricht in einer kleineren Gruppe. Das Interesse daran war aber nicht so groß, und viele Leute sind gar nicht gekommen. Das war eine befangene Atmosphäre.

Was ist dein Wunsch für die Zukunft?

Mein Wunsch ist, dass wir alle wieder glücklich und frei sind und dass diese Phase schnell vorbeigeht. Man kann das auf alle Lebensbereiche übertragen. Die Open Music School ist ein Ort, wo sich die Einschränkung besonders stark zeigt. Ich wünsche mir deswegen, dass wir wieder zusammenkommen können wie früher, Konzerte machen, singen und eine schöne Zeit miteinander haben können. Ich vermisse die Musikabende und möchte auch wieder tanzen. Das wünsche ich uns auf jeden Fall.

Das wünsche ich uns auch. Vielen Dank für dieses Gespräch, Elie.

 

 

Auch über sein erstes Album habe ich mit Joe Marshall gesprochen. Foto: Viktoria Byt
Auch über sein erstes Album habe ich mit Joe Marshall gesprochen. Foto: Viktoria Byt

Joe Marshall ist Musiker und Lehrer an der OMS, für die er im Januar 2022 auch die Leitung übernommen hat. Mit ihm habe ich über das Angebot der Musikschule gesprochen.

 

Was bietet die Open Music School?

Wir bieten hauptsächlich Unterricht verschiedener Instrumente, und zwar immer von Montag bis Donnerstag. Wir haben Stammkurse wie Gitarre (montags), Klavier (dienstags), Bassgitarre (mittwochs) und Ukulele (donnerstags). Zusätzlich versuchen wir weitere Kurse kurzfristig anzubieten. Zum Beispiel Schlagzeug, Oud oder auch Flöte. Alles wird von unseren Teilnehmer*innen gestaltet. Wenn jemand was lernen oder was anbieten will, versuchen wir das zu ermöglichen.
Die Schule ist für alle Interessenten offen und die Kurse sind alle kostenlos.

Wie ist es, hier Lehrer zu sein, und sein Wissen zu teilen?

Zuerst liegt der Fokus nicht nur auf dem Unterricht, sondern darauf, Menschen zusammenzubringen. Da bekomme ich bestimmt mehr als das, was ich gebe. Und ich denke, den Spaß, den man hier hat, das ist wirklich einzigartig in Berlin. Der Unterricht stellt für mich ein Engagement für meine Gesellschaft dar und lässt mich die Musik im Auge behalten. Als ich vor sechs Jahren nach Berlin kam, kannte ich niemanden. Durch diesen Unterricht habe ich viele Menschen kennengelernt und Freunde gefunden. Musik verbindet Menschen.

Du hast 2020 ein sehr schönes Album veröffentlicht. Wie war die Arbeit daran, und wieso hast du es „Occasionally Productive“ genannt?

Danke, das ist sehr lieb von dir. Ich habe das Album „Occasionally Productive“ genannt, weil die Musik über mehrere Jahre entstand, aber in einem sehr kurzen Zeitraum aufgenommen wurde.
Auf dem Album sind 13 Lieder mit ziemlich unterschiedlichen Ideen, die aber irgendwie zusammengehören, was man hoffentlich auch merkt. Die Arbeit daran hat viel Spaß gemacht. Vor allem war es für mich eine ganz neue Erfahrung, ein Solo-Artist zu sein. Ich arbeite jetzt auch schon am nächsten Album, das hoffentlich auch bald veröffentlicht wird.

Ich liebe das erste Album und wünsche dir auch beim nächsten viel Erfolg!

 

Kontakt:
„GSBTB – Open Music School”
Lenaustraße 3
12047 Berlin
(U8 + U7 Hermannplatz)
https://de.openmusicschool.org/

 

* Die OMS ist ein Projekt von Give Something Back to Berlin (GSBTB), eine international bekannte und mit Preisen ausgezeichnete, sozial engagierte NGO.

Geschrieben von
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