Harte Arbeit für den Neuanfang

Fotos: Oruba Deeb

 

Warum die Künstlerin Orouba Deeb syrische Frauen portraitiert

Orouba Deeb ist eine in Paris lebende syrische Künstlerin, die sich seit rund dreißig Jahren mit Bildhauerei und Malerei beschäftigt. Die ehemalige Direktorin des Chantout Arts Center in Damaskus hat ihre Werke bereits bei zahlreichen Ausstellungen verschiedener Länder präsentiert und auch bei etlichen Kunstveranstaltungen in verschiedenen Teilen der Welt mitgewirkt. 

 

Können Sie uns ein wenig über Ihre aktuellsten künstlerischen Aktivitäten erzählen?

Wie andere Kunstschaffende haben auch wir bildende Künstler*innen die Auswirkungen von Corona zu spüren bekommen. Ich habe die Zeit aber auch dafür verwendet, um neue Projekte anzugehen.

Den ersten Lockdown im Jahr 2020 etwa habe ich genutzt, um mich der Malerei zu widmen und meine Einzelausstellung zum Weltflüchtlingstag in Paris vorzubereiten, bei der es um das Thema Migration ging. Die Ausstellung stieß auf großes Interesse, sowohl auf Besucher- als auch auf medialer Seite.

Danach habe ich in einem kleinen Skizzenbuch ein Corona-Tagebuch in Form einer Collage erarbeitet, das ich „Unsere Quarantäne“ nannte. Es wurde im Carreet-Doan Museum ((??nicht gefunden)) in Paris ausgestellt.

Darüber hinaus habe ich meine Werke auf Websites wie ArtScoops veröffentlicht und nahm auch an der Kunstauktion der syrischen Atassi Foundation for Arts and Culture teil. Außerdem wirkte ich bei einer sehr erfolgreichen Ausstellung einer Gruppe von Künstler*innen am Middle East Institute in Washington mit. Und zuletzt habe ich mich für das Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris um die Anschaffung eines Kunstwerks gekümmert.

 

Lassen Sie uns über das Thema Migration und Flüchtlinge reden: Wie haben Sie das Leid der Syrer in Ihrem künstlerischen Schaffen aufgegriffen? 

Ich versuchte zu thematisieren, wie schwierig es ist, die eigene Heimat zu verlassen, vor allem, wenn es zwangsweise und nicht freiwillig geschieht. Die meisten Syrer mussten an ihrem neuen Lebensmittelpunkt bei Null anfangen, und zwar auf allen Ebenen. Dies habe ich in meinen Kunstwerken insofern aufgenommen, als ich auf meinen Bildern gekrümmte Menschen darstellte, gekrümmt nicht wegen der Last ihrer Taschen, sondern von der Last ihrer Sorgen und den zermürbenden Gedanken an die ungewisse Zukunft, belastet mit Erinnerungen an ihre unwiederbringliche Vergangenheit, an ihre Familien, Freunde und zerbombten Häuser. All das betrifft auch mich persönlich. Auch wenn unser Haus nicht zerstört wurde und wir nicht wie viele andere im Krieg verletzt wurden, haben wir unser ganzes Hab und Gut zurückgelassen und das Land verlassen, um unsere Töchter und die ganze ((?)) Familie vor dem harten Leben in Syrien zu beschützen. 

Zunächst gingen wir nach Beirut, wo ich zusammen mit meiner Tochter als Freiwillige in einem Flüchtlingslager arbeitete und Zeichen- und Kunsttherapie-Workshops für Flüchtlinge veranstaltete. Es tat weh, das Leid dieser Menschen mitanzusehen, die keine Häuser mehr hatten, ja, die alles verloren hatten und nun in Flüchtlingslagern leben mussten, in denen es schon an Grundlegendem zum Leben fehlt. 

In meinem Projekt dazu habe ich spezielle Collagetechniken eingesetzt, Acryl und andere Materialien wie Sand und Papieraufkleber verwendet. Ich habe dabei stets versucht, mit warmen Farben zu arbeiten – typischen Orient-Farben eben.

 

Welche Ausstellungen oder Aktivitäten sind in nächster Zeit geplant?

Ich habe mit den Vorbereitungen für ein neues Projekt begonnen, bei dem es um großflächige Porträts geht, die syrische Frauen nach dem Krieg zeigen. Für mich ist die syrische Frau eine Ikone, die Anerkennung verdient hat. Viele solcher vorbildlichen Frauen habe ich in Frankreich, Beirut und Europa getroffen. Denn während die Männer häufig Schwierigkeiten damit hatten, in ihrem neuen Leben anzukommen und von vorne zu beginnen, haben die syrischen Frauen die Sorgen um ihre Familie mit großer Tapferkeit ertragen und hart gearbeitet, um neu anzufangen. 

 

Ins Deutsche übertragen von Melanie Rebasso



Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: العربية (Arabisch)

Geschrieben von
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