Was bewegt die Menschen aus Afghanistan?

Foto: Hareth Almukdad
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war das Thema des kulturTÜR-Salons am 15. Juni 2022, zu dem Ortskräfte aus Afghanistan als Redner*innen eingeladen waren.

Mortaza Rahimi, der bei der kulturTÜR die persische Redaktion leitet, stellte eingangs in seinem Artikel „Wir hätten euch alle getötet…“ einen afghanischen Journalisten vor, dem im August 2021 die Flucht aus Kabul mit einer der letzten Militärmaschinen gelungen war.

In welcher dramatischen Lage sich die Frauen in Afghanistan befinden, wurde von der Journlistin Raihana Fahramand betont. Viele sind gezwungen, sich zuhause zu verstecken. Vor allem Alleinerziehende können nicht mehr für ihren und den Lebensunterhalt ihrer Kinder sorgen, weil sie sich nicht ohne männliche Begleitung auf die Straße wagen können.
Aus Angst erkannt zu werden, verließ die bekannte Fernsehmoderatorin nicht mehr das Haus ihrer Familie in Kabul. Zusammen gelang ihnen die Flucht nach Pakistan, kurz bevor die Taliban ihr Haus ausfindig gemacht haben.

Der Menschenrechtsaktivist Haroon Rasooly erzählte wie er in den frühen Morgenstunden des 15. August 2021 seinen Arbeitsplatz verlies und zum Flughafen rannte. Doch dort war Chaos und kein Durchkommen. Nach dem Bombenanschlag vom 26. August floh er zu einem Bekannten nach Herat. Nach einiger Zeit konnte er von dort aus mit einem Online-Visum in den Iran fliehen.

Die beiden Aktivisten, die im Dezember 2021 nach Deutschland gekommen waren, sprachen sich gegen jegliche Kooperation mit den Taliban aus, auch wenn sie vor dem Hintergrund der humanitären Krise in Afghanistan vielen Organisationen hier als notwendig erscheint.

Qais Nekzai war in Afghanistan für die Bundeswehr tätig und arbeitet jetzt für das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. Die Organisation, die sich von Spendengeldern finanziert, hat bereits 330 Ortskräfte nach Deutschland gebracht. Er verweist auf die noch rund 10.000 Ortskräfte mit einer Aufnahmezusage der Bundesregierung, die sich noch in Afghanistan befinden, aber das Land nicht verlassen können, weil sie keinen Reisepass besitzen, um in ein Drittland wie Pakistan oder dem Iran zu gelangen, von wo aus sie ein Visum beantragen könnten. Unter dramatischen Bedingungen harren sie in Afghanistan aus, halten sich versteckt, und wissen nicht, wie sie weiterleben sollen oder wie lange sie noch weiterleben können bis sie von den Taliban aufgespürt werden. Sein Ziel ist, darauf hinzuwirken, möglichst viele dieser Menschen möglichst schnell mit einfacheren Verfahren evakuieren zu können.

 

Gedolmetscht wurde der Salon vom Deutschen ins Persische von Navid Raeesi und vom Persischen ins Deutsche von Yasir Ahmad.

Der kulturTÜR-Salon fand als Themenabend Afghanistan in Kooperation mit der Stadtteilbibliothek Steglitz und dem Stadtteilzentrum Villa Mittelhof in der Ingeborg-Drewitz Bibliothek im Rathaus Steglitz statt.

 

 

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